Geldanlage in der Niedrigzinsphase – was tun?

Geldanlage in der NiedrigzinsphaseGeldanlage in der Niedrigzinsphase: In Zeiten von Niedrigzinsen und überschuldeten Staaten stellen sich viele Privatanleger die Frage: Wie kann ich mein Geld ertragbringend (und dennoch einigermaßen sicher) anlegen?

 

Die beste Geldanlage ist zunächst die Rückzahlung Deiner Schulden.

Bevor Du dann Dein Geld anlegst, solltest Du einige grundsätzliche Fragen für Dich beantworten, z.B.: Wie lange kann ich auf das Geld verzichten? Und welche (zwischenzeitlichen) Kursschwankungen kann ich aushalten?

Bei der Geldanlage gilt der Grundsatz: Rendite und Risiko sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Eine höhere Rendite kannst Du i.d.R. nur durch mehr Risiko erzielen.

Eine wesentliche Rolle spielt hierbei die Aktie. Leider fristet die Aktie als Anlageobjekt in Deutschland weiterhin ein Schattendasein. Ein Großteil der deutschen Anleger spart sich nicht reich, sondern arm. Er vernichtet sein Vermögen dadurch, dass er das Geld auf Spar- und Tagesgeldkonten versauern lässt – zu Zinsen unterhalb der Inflationsrate.

Geldanlage in der Niedrigzinsphase: Aktie statt Sparbuch

Ein Problem in diesem Zusammenhang ist sicherlich, dass viele Privatanleger nicht gelernt haben, die (meist vorübergehenden) Schwankungen des Aktienmarktes richtig einzuschätzen. Wichtig ist daher stets – neben einer breiten Diversifikation innerhalb der Anlageklasse Aktien und darüber hinaus – die Erkenntnis, dass es sich bei der Aktienanlage um eine langfristige Investition handelt.

Die Aktienanlage ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Insofern bieten Finanzkrisen mit ihren Kursrückschlägen bei Aktien auch immer eine Chance für Investoren, zu einem niedrigen Preis (= Aktienkurs) einen guten Wert (Substanzwert und langfristige Ertragschancen eines Unternehmens) zu erhalten. Wie drückte es Börsenlegende André Kostolany so schön aus: „An der Börse verdientes Geld ist Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, und dann kommt das Geld.“

Langfristig sind Aktien die Anlageform mit der besten Renditeerwartung.

Zudem sind Aktien – wie auch Immobilien – Realvermögen und somit relativ gut gegen Inflation und Währungsrisiken geschützt. Klassisches Sparen sollte daher keine Alternative mehr sein.

Doch nicht nur die niedrigen Zinsen sorgen für Handlungsdruck. Auch der demografische Wandel führt dazu, dass gerade junge Menschen ihre Sparaktivitäten verstärken und ihr Geld intelligent anlegen sollten.

Handlungsdruck: Altersvorsorge als tickende Zeitbombe

Möchtest Du wirklich bis 67 oder gar 70 arbeiten, weil erst dann das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht ist – und Du auch nicht genug Geld angespart hast, um ein paar Jahre früher in Rente zu gehen?

Ich möchte das nicht – zumindest nicht unfreiwillig, weil ich mir einen früheren Ruhestand nicht leisten kann.

Frühzeitig mit der Geldanlage zu starten hilft dabei, langfristig ein Vermögen aufzubauen. Je früher Du anfängst, und je ertragreicher Du Dein Geld anlegst, desto größere finanzielle Freiräume kannst Du Dir schaffen. Und damit die Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Denn finanzielle Freiheit ist ein wesentlicher Bestandteil der persönlichen Freiheit.

Vermögensaufbau und private Altersvorsorge sind auch deshalb so wichtig, weil die staatliche Rentenversicherung nicht das einlösen kann, was sie verspricht. Im Gegenteil: Die Altersvorsorge in Deutschland ist im Status Quo eine tickende Zeitbombe.

Die Deutschen sparen falsch

Aber wie ist es nun um den Vermögensaufbau in Deutschland bestellt?

Was das Haushaltsvermögen der Privathaushalte angeht, stehen die Deutschen im internationalen Vergleich schlecht dar. Die Deutschen fallen bei der Vermögensbildung immer weiter zurück. Und das, obwohl wir so stolz auf den inoffiziellen Titel des Sparweltmeisters sind. Die Sparquote, also der Anteil am verfügbaren Haushaltseinkommen, ist in Deutschland mit rund 10% im internationalen Vergleich hoch.

Die Deutschen sparen also viel, aber sie sparen falsch. Das Geld wird weiterhin überwiegend als Kontoguthaben oder Termingeld vorgehalten sowie bei Versicherungen und in Altersvorsorgeprodukten angelegt.

Sie legen ihr Geld so unproduktiv und einfallslos an, wie kein anderes Volk unter den Industrieländern. Der deutsche Sparer spart sich nicht reich, sondern arm.

Aber warum nur? Das ganze dürfte auch historische Ursachen haben. Durch die beiden Weltkriege und anschließende Währungsreformen verloren die Deutschen zweimal ihr gesamtes Geldvermögen. Hieraus wurden die falschen Schlüsse gezogen: Das Geld wird in – nur vermeintlich – sichere Produkte wie Kontoguthaben, Lebens- und private Rentenversicherungen mit Garantieversprechen angelegt. Leider gibt es nur auf diese Produkte so gut wie keine Zinsen mehr.

Doch das Sicherheitsdenken scheint sich (generationsübergreifend) in das Gedächtnis vieler Privatanleger eingebrannt zu haben. Schlechtes Sparen wird vererbt.

Geldvermögen vs. Sachwerte

Dabei ist die Sichtweise darauf, was „sicher“ ist und was nicht, problematisch. Als sicher wird (fälschlicherweiseweise) die Anlage in Geldvermögen betrachtet.

Geldvermögen sind Geldforderungen bzw. Zahlungsversprechen. Hierzu gehören Banknoten, Kontoguthaben, Anleihen, Lebens- und Rentenversicherungen sowie vergebene Kredite. Auf Geldvermögen gibt es normalerweise Zinsen. In der aktuellen Niedrigzinsphase allerdings nur noch in homöopathischen Dosen, wenn überhaupt.

Sachwerte sind dagegen keine Versprechen, sondern „real“. Beispiele für Sachwerte sind Immobilien, Aktien, Gold / Edelmetalle, aber auch Oldtimer oder Kunstgegenstände. Sachwerte schützen i.d.R. vor Inflation. Bei Oldtimern oder Gold steht ausschließlich der Preis im Vordergrund, während Immobilien (in Form von Mieten) oder Aktien (in Form von Dividenden) auch laufende Erträge bieten. Allerdings sind bei Sachwerten Preis und Wert nicht identisch. Der Preis kann stark schwanken. Daher könnten Sachwerte kurzfristig manchmal nur unter Wert / mit Verlust veräußert werden. Es ist also nicht ratsam, ausschließlich in Sachwerte zu investieren. Für Liquidität ist also zu sorgen.

Bei der Geldanlage in der Niedrigzinsphase sollten Sachwerte eine wichtige Rolle spielen. Dies liegt auch an der riesigen Staatsverschuldung, die langfristig zu einer spürbar höheren Inflation führen dürfte – und z.T. auch heute schon beobachtbar ist.

Die globale Verschuldung als Problem für Sparer

Die globale Verschuldung hat gigantische Ausmaße angenommen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass diese Schulden jemals alle beglichen werden. Insofern dürfte es auf Szenarien wie einen „Schuldenschnitt“ oder eine hohe Inflation hinauslaufen. Wobei es meiner Meinung nach – jenseits des für die offizielle (Verbraucherpreis-) Inflationsberechnung herangezogenen „Warenkorbs“ – eine Vermögenspreisinflation bereits gibt. Man muss sich nur die Entwicklung von Immobilienpreisen und Aktienkursen vor Augen führen.

Die politische und wirtschaftliche „Großwetterlage“ scheint viele Anleger zu verunsichern. Sicherheit steht im Vordergrund. Doch Angst ist stets ein schlechter Ratgeber. Besser ist es, sich die Vorzüge einer langfristig ertragreichen Geldanlage in Aktien vor Augen zu führen. Denn langfristiger, strategisch geplanter Vermögensaufbau schafft genau die Sicherheit (in Form zunehmender finanzieller Unabhängigkeit), die eine auf vermeintliche Sicherheit orientierte Geldanlage in festverzinsliche Produkte nicht leisten kann.

Was tun? Strategische und langfristige Finanzentscheidungen treffen!

Meine Meinung: An Aktien führt – auf der Suche nach der richtigen Geldanlage in der Niedrigzinsphase – für den langfristigen Vermögensaufbau kein Weg vorbei.

In Deutschland wird nicht gerne über Geld geredet, die Themen „Finanzen“ und „Geldanlage“ sind im privaten Umfeld meist ein Tabuthema.

Aber eines sollten wir uns stets vor Augen halten: Die Rente ist (anders als von Norbert Blüm einst behauptet) nicht sicher – zumindest nicht auf einem Niveau, von dem sich auskömmlich leben lässt.

Auch die offiziellen Zahlen der deutschen Rentenversicherung belegen dies.

Doch Jammern hilft nichts: Wir müssen unser (Renten-)Schicksal selbst in die Hand nehmen. Der Weg eines Privatanlegers muss meiner Meinung nach sein, vom Sparer (festverzinsliche Anlageformen) zum Investor (in Aktien) zu werden.

Neben der Geldanlage in die richtigen Produkte helfen auch die folgenden Grundsätze beim langfristigen Vermögensaufbau.

Die Grundsätze für den Vermögensaufbau

Folgende Grundsätze sind beim langfristigen Vermögensaufbau – insbesondere für eine Geldanlage in der Niedrigzinsphase – zu beachten:

  1. Die Kontrolle über Deine Finanzen ist der Startpunkt für den Vermögensaufbau. Um investieren zu können, musst Du erstmal Geld übrig haben. Es ist also wichtig, dass Du Deine Finanzen im Griff hast.
  2. Um Vermögen aufzubauen, musst Du Dein Geld möglichst ertragreich anlegen. Und dies funktioniert in Zeiten von Niedrigzinsen nur durch Investieren in Aktien, nicht durch sparen. Du musst Dein Geld für Dich arbeiten lassen.
  3. Langfristiges Denken: Die Zeit ist Dein Freund. Der Zinseszinseffekt entfaltet im Laufe der Jahre und Jahrzehnte eine gewaltige Wirkung. Je früher Du anfängt, desto besser. Es ist besser mit 50 Euro als Student oder Auszubildender zu starten als erst mit Mitte 40 mit 500 Euro pro Monat.
  4. Diversifikation über mehrere Anlageklassen hinweg: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Eine breite Streuung bei der Anlage in Aktien erreichst Du am besten über einen großen Aktienindex. Die wohl größtmögliche Streuung bei einer Investition in einen einzelnen Index bietet der weltweite ETF MSCI World. Dieser beinhaltet über 1.600 Aktien aus 23 Ländern und unterschiedlichen Branchen.
  5. Durchhaltevermögen: Wenn Du Geld an der Börse anlegen möchtest, musst Du Dir aber einer Sache bewusst sein: Investments, die einen höheren Ertrag als Festgeld erbringen, weisen auch ein höheres Risiko auf. Dies bedeutet, dass erwartete Erträge auch mal ausbleiben oder – aufgrund von Kurschwankungen – (zwischenzeitliche) Verluste auftreten können. Was Du hierzu brauchst, sind also Zeit und starke Nerven. Du musst solche Phasen „aussitzen“ können, ohne in Panik zu verfallen und unüberlegte Entscheidungen zu treffen.

Wichtig: Das Risiko richtig einschätzen

Entscheidend ist bei der Aktienanlage, das Risiko richtig einzuschätzen. Du musst unterscheiden zwischen einem vorübergehenden Anlagerisiko (in Form zwischenzeitlicher Kursschwankungen) und einem dauerhaften Anlagerisiko. Ein wirkliches Anlagerisiko besteht darin, dass ein Anlageziel am Ende des Anlagehorizontes nicht erreicht wird (wenn kein Gewinn oder sogar ein Verlust erzielt wird). Dies ist dann der Fall, wenn ein Anleger seine Aktien während eines Börsencrashs verkauft und somit seine Verluste realisiert.

Wenn Du nach Rückschlägen an der Börse aber investiert bleibst, kann sich ein vorübergehender (nicht realisierter) Verlust schon nach wenigen Monaten wieder in einen Gewinn umkehren. Buy and hold ist daher ein erfolgversprechender Ansatz

Was Du hierzu brauchst, sind also Zeit und starke Nerven. Du musst solche Phasen „aussitzen“ können, ohne in Panik zu verfallen und unüberlegte Entscheidungen zu treffen.

Ab einem Anlagehorizont von 15 Jahren hat man im letzten halben Jahrhundert unabhängig vom Ein- und Ausstiegszeitpunkt mit globalen Aktien kein Geld verloren, wie das Renditedreieck für den MSCI World Index zeigt.

Kursrückschläge bieten darüber hinaus die Gelegenheit, einen guten Wert (den Substanzwert der Aktien, die in einem Index abgebildet sind) zu einem günstigen Preis (= niedrigen Börsenkurs) einzukaufen.

Fazit: Jetzt loslegen

Zusammenfassend solltest Du aus meiner Sicht für die Geldanlage in der Niedrigzinsphase folgende Dinge beachten:

Beginne am besten noch heute damit, Deinen Vermögensaufbau zu starten.

Die Aktien-Anlage in Exchange Traded Funds ist aus meiner Sicht hierbei der ideale Start. Den richtigen Anbieter für Deinen ETF-Sparplan findest Du hier.

Für die Suche nach dem richtigen ETF möchte ich an dieser Stelle noch auf meinen Artikel über ETF Auswahlkriterien hinweisen.

Setz‘ Dir für Deine Geldanlage konkrete Ziele.

Starte Deine persönliche Finanzplanung, und betrachte diesen Aspekt ganzheitlich und langfristig.

Überfordere Dich hierbei aber nicht, sondern gehe Schritt für Schritt vor.

Ich wünsche Dir hierbei viel Erfolg!

Bild von Gino Crescoli auf Pixabay

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