Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll? Diese Frage stellen sich viele Menschen, gerade zum Eintritt ins Berufsleben.

Bevor ich zum eigentlichen Thema „Berufsunfähigkeitsversicherung“ komme, starte ich mit ein paar einführenden Gedanken zum Thema Versicherungen.

Versicherungen – ein unbeliebtes Thema

Versicherungen sind ein unbeliebtes Thema. Die Versicherungsbranche hat einen schlechten Ruf. Doch warum ist das eigentlich so?

Wenn man über Versicherungen liest, dann ergibt sich häufig folgender Eindruck: Die Kunden werden abgezockt, nicht benötigte Versicherungen werden verkauft, und teure Provisionen müssen für intransparente Produkte bezahlt werden.

Und wenn der Versicherungsfall eintritt, dann zahlt die Versicherung nicht.

Dieses Bild hat sich im Kopf vieler Menschen (häufig nicht zu Unrecht) festgesetzt. Und so wundert es nicht, dass das Thema Versicherungen eher unbeliebt ist.

Versicherungen – ein wichtiges Thema

Nichtsdestotrotz ist das Thema „Versicherungen“ wichtig. Man kommt nicht umhin, sich damit auseinandersetzen.

Eine besondere Sorgfalt bei der Auswahl der notwendigen und geeigneten Versicherungen ist wichtig. Du solltest nicht einfach irgendein Produkt abschließen, um das Thema schnellstmöglich abhaken zu können und Dein Gewissen zu beruhigen.

Ein häufig begangener Fehler ist, blind einen Vertrag zu unterschreiben, welcher nicht wirklich verstanden wurde. Besser ist es, sich ein paar Stunden oder Tage damit zu beschäftigen, bevor Du einen Vertrag abschließt. Das Ziel sollte ein langfristig sinnvoller Vertrag sein.

Das Prinzip einer Versicherung lautet: Ein Risiko, welches Du nicht selbst tragen möchtest oder kannst, an einen Versicherer „abzuwälzen“ und dafür eine Prämie zu bezahlen.

„Must have“ Versicherungen

Unbedingt notwendig sind aus meiner Sicht Versicherungen gegen solche Schäden, die (finanziell) existenzbedrohend sind. Damit sind Schadenshöhen gemeint, die Du – aufgrund ihrer Tragweite – nicht zur Not auch aus der eigenen Tasche bezahlen könntest.

Zu den wichtigsten Versicherungen zählen die folgenden.

Krankenversicherung

In Deutschland besteht eine gesetzliche Krankenversicherungspflicht. Insofern hast Du hier ohnehin keine Wahl. Die einzige Wahlmöglichkeit besteht zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Es würde jedoch den Rahmen sprengen, an dieser Stelle auf die Unterschiede sowie Vor- und Nachteile einzugehen.

In der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Leistungen der unterschiedlichen Versicherer weitgehend identisch, da gesetzlich geregelt. Unterschiede bestehen im zu zahlenden Zusatzbeitrag der Krankenkasse und somit im Preis. Daraus resultierend gibt es ggf. auch kleinere Unterschiede bei der Leistung.

Haftpflichtversicherung

Eine Haftpflichtversicherung sichert mich gegen Schäden ab, die ich gegenüber Eigentum oder Gesundheit einer anderen Person anrichte.

Große Schadenersatzforderungen können z.B. entstehen, wenn durch mein Verhalten ein Personenschaden entsteht, etwa durch einen Ski- oder Autounfall. Weiterhin dient eine Haftpflichtversicherung auch als passive Rechtsschutzversicherung: Ungerechtfertigte Ansprüche gegen die versicherte Person werden geprüft und abgewehrt.

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Hier geht es um die Absicherung meiner Arbeitskraft, und damit um meine wichtigste Ressource, mein Humankapital. Allerdings ist eine solche Versicherung nicht günstig. Aber wenn Du Dein Lebensarbeitszeit-Einkommen mal hochrechnest, dann kann das im Laufe der Jahrzehnte in die Hundertausende, wenn nicht Millionen gehen.

Um den hohen Preis für eine BU zu relativieren, hilft vielleicht folgender Vergleich: Die Vollkaskoversicherung für ein Auto ist i.d.R. teurer, obwohl vielleicht nur 20.000 oder 30.000 EUR abzusichern sind.

Die bislang genannten Versicherungen solltest Du aus meiner Sicht bereits zum Berufsstart abschließen.

Von der Lebensphase und der Familiensituation abhängig sind meiner Meinung nach folgende Versicherungen:

Risikolebensversicherung

Ein solcher Vertrag ist sinnvoll, um Frau und Kind abzusichern, die auf mein Einkommen angewiesen sind. Als Single ist sie nicht notwendig. Weiterhin ist durchaus empfehlenswert, dass bei Paaren sich beide Partner versichern. Denn falls der Partner, der zu Hause bleibt, für die Kinderbetreuung ausfällt, so muss der verbliebene Hauptverdiener für die Kinderbetreuung sorgen. Entweder seine Arbeitszeit reduzieren (Verdienstausfall) oder eine „Nanny“ einstellen (erhöhte Ausgaben).

Weitere Versicherungen wie Hausrat oder Rechtsschutz sind dann auch individuell zu betrachten und ein gutes Stück weit auch vom individuellen Risikoempfinden abhängig.

Nun komme ich aber zurück zur Frage: Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Versicherungen

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein sehr komplexes Thema.

Ein häufiges Argument gegen eine BU lautet: „Ich habe doch einen Bürojob, was soll mir schon passieren?“. Aber: Es ist nicht nur das abgesichert, was auf der Arbeit passiert. Psychische Erkrankungen (Depression, Burnout, etc.) und Krankheiten wie z.B. Krebs können auch zur BU führen. Psychische Erkrankungen sind mittlerweile sogar die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit.

Entscheidend ist also nicht allein das Risiko bei der Arbeit, sondern es sind auch die allgemeinen Lebensrisiken, die zur BU führen können.

Und wann sollte nun eine BU am besten abgeschlossen werden? Der Grundsatz lautet: Je früher, desto besser.

Denn in jungen Jahren hat man in der Regel eine gute Gesundheit, was sich in deutlich günstigeren Beiträgen widerspiegelt. Je älter man wird, desto mehr Vorerkrankungen sind tendenziell zu berücksichtigen. Diese werden dann evtl. gar nicht mehr versichert, sondern von der Versicherung ausgeschlossen. Und falls sie noch versichert werden, führen sie zu (ggf. deutlich) höheren Beiträgen.

Am besten möglichst früh abschließen

Am besten ist es daher, eine BU schon als Schüler oder Student abzuschließen.

Denn: Wenn ich erstmal einen Beruf ausübe, der eine hohe Risikoklasse hat (z.B. als Bauarbeiter oder Krankenschwester), dann muss ich hohe Beiträge bezahlen.

Als Schüler oder Student habe ich hingegen noch eine niedrigere Risikoklasse, und diese behalte ich auch, wenn ich später einen Beruf mit einer hohen Risikoklasse ausübe. So ist eine BU z.B. als Dachdecker quasi unbezahlbar, da das Risiko aus diesem Beruf für eine Versicherung sehr hoch ist.

Wichtig: Gesundheitsfragen korrekt beantworten

Besonders wichtig ist es, beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung vollständige und richtige Angaben bei den Gesundheitsfragen zu machen.

Man spricht hier von einer vorvertraglichen Anzeigepflicht.

Die Krankengeschichte der letzten Jahre ist komplett offen zu legen. Sofern Du hier falsche oder unvollständige Angaben machst, riskierst Du Deinen Versicherungsschutz: Es kann dann nämlich passieren, dass die Versicherung die Leistung im Schadensfall verweigert.

Am besten lässt Du Dir von Deiner Krankenversicherung Deine „Krankenakte“ / die Abrechnungen der letzten Jahre zusenden. Dies ist dann eine gute und vollständige Basis für die Beantwortung der Gesundheitsfragen.

Wenn bereits Vorerkrankungen bestehen, ist es übrigens nicht ratsam, einfach einen Antrag zu stellen, sofern unklar ist, ob Du bei der Versicherung angenommen wirst. Denn wenn der Antrag abgelehnt wird, wird diese Ablehnung in einem Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherer gespeichert. Auf dieses System hat jeder Versicherer Zugriff. Sieht er die hinterlegte Ablehnung, dann lehnt er meist selbst den Antrag ebenfalls ab.

Besser ist es, in diesem Fall eine anonyme Risikovorabanfrage zu stellen. Dies kannst Du über einen Versicherungsmakler beliebig oft machen. Dieser kann auf diesem Wege prüfen, welcher Anbieter die besten Konditionen bietet.

Neben den Gesundheitsfragen gibt es noch einige besondere Vertragsklauseln, auf die beim Abschluss einer BU zu achten ist.

Anlassbezogene Nachversicherungsgarantie

Eine sinnvolle Vertragsklausel ist die sog. anlassbezogene Nachversicherungsgarantie.

Bei bestimmten Anlässen (Heirat, Start ins Berufsleben, Kind, Hausbau) ist eine Erhöhung der Versicherung ohne neue Gesundheitsprüfung möglich.

Allerdings wird dann der zu diesem Zeitpunkt aktuelle Beruf zugrunde gelegt. Auf erneute Gesundheitsfragen wird aber verzichtet.

Umorganisationsklausel

Bei einem Wechsel vom Angestelltendasein in die Selbstständigkeit ist die sog. Umorganisationsklausel wichtig. Wenn ein Selbstständiger „berufsunfähig“ wird, wird die Möglichkeit zur „Umorganisation“ geprüft.

Die zugrunde liegende Frage lautet: Kann ein Selbstständiger seinen Berufsalltag / Betrieb so umorganisieren, dass er weiterhin selbstständig tätig sein kann? Und kann diese Umorganisation zu vertretbaren Kosten erfolgen? Falls diese Fragen bejaht werden, so kann eine solche Umorganisation als zumutbar eingestuft werden.

„Zumutbarkeit“ ist nun aber ein recht schwammiger Begriff, insofern ist auf eine klare Regelung zu achten, bzw. auf einen Verzicht auf eine solche Umorganisationsklausel.

Abstrakte Verweisung

Du solltest bei einem BU Vertrag unbedingt auf einen Verzicht auf die abstrakte Verweisung achten. Nur bei einem solchen Verzicht kannst Du nicht auf einen anderen Job verwiesen werden, den Du trotz Einschränkungen noch ausüben könntest.

Die entscheidende Frage hierbei lautet: Was war die letzte Tätigkeit vor Eintritt der Berufsunfähigkeit? Wenn Du diese Tätigkeit für die nächsten 6 Monate nur zu maximal 50% ausüben könntest, dann gilt dies i.d.R als Berufsunfähigkeit und führt zur Auszahlung der vertraglich vereinbarten BU-Rente.

Zu beachten ist folgendes: Wenn Du nach Feststellung der Berufsunfähigkeit einen anderen Job konkret ausübst, kann die Versicherung Dich an diesen Job verweisen, da diese Tätigkeit dann offensichtlich zumutbar ist. Denn Du hast sie ja tatsächlich ausgeübt, und das sogar freiwillig. Konsequenz: Die BU wird aufgehoben.

Vor Aufnahme eines Nebenjobs sollte man sich daher die Art der Tätigkeit und die Zuverdienstgrenzen unbedingt vorab vom Versicherer (schriftlich!) absegnen lassen.

Empfehlung: Einen guten Berater hinzuziehen

Wie meine Ausführungen zeigen, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung ein sehr komplexes Thema. In den meisten Fällen bin ich der Meinung, das man finanzielle Entscheidungen eigenständig treffen kann und auch sollte.

Im Falle eine BU bin ich aber der Meinung, dass das Hinzuziehen eines guten Beraters wirklich Mehrwert stiften kann.

Doch was macht einen guten Berater aus? Zum einen sollte er natürlich eine gute, fachspezifische Ausbildung und relevante Berufserfahrung haben. Aber auch Sympathie und Bauchgefühl spielen sicherlich eine Rolle. Und er sollte Dich nicht unter Druck setzen, sondern Dir die Zeit lassen, über ein Angebot nachzudenken und in Ruhe eine Entscheidung zu treffen.

Wenn Du Dich in puncto Versicherungen selbst noch schlau machen möchtest dann kann ich Dir die Seite Versicherungen mit Kopf empfehlen. Hier findest Du einen Blog, einen YouTube Channel mit über 200 Videos und sogar die Möglichkeit einer Online-Beratung.

Fazit: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll!

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein komplexes Thema. Da sie aber eine der wichtigsten Versicherungen ist, solltest Du bereit sein etwas Zeit zu investieren, um Dich mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Um Dir günstige Beiträge zu sichern und das Auftreten von „Vorerkrankungen“ zu minimieren, gilt das Motto: Je früher der Versicherungsabschluss, desto besser.

Um den Versicherungsschutz nicht zu gefährden, ist es wichtig, die Gesundheitsfragen vollständig und wahrheitsgemäß zu beantworten.

Zusammenfassend komme ich ganz klar zu dem Schluss, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist.

Bild von Steve Buissinne auf Pixabay

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