Finanzen für Frauen – aus Sicht eines Mannes

Finanzen für Frauen

Finanzen für Frauen – dieses Thema erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Ich gehöre aufgrund meines Geschlechts zwar nicht zur Zielgruppe. Meine Aufmerksamkeit hat das Thema dennoch erlangt.

Zum ersten Mal aufmerksam wurde ich auf die Frauen-Fokussierung im Finanzbereich über Madame Moneypenny. Sie hat – meiner Wahrnehmung nach – dieses Thema als erste für sich besetzt und ist medial entsprechend präsent.

Auch beim diesjährigen comdirect finanzblog award #fba18 nahmen verschiedene Blogs teil, die sich speziell an Frauen richten, so etwa Female Finance Forum, fortunalista, Klunkerchen oder die Geldfrau.

Die ersten drei genannten Blogs schafften es auf die Shortlist des Jury-Preises, und fortunalista gewann den 2. Platz. An dieser Stelle nochmal herzlichen Glückwunsch hierzu an Margarethe Honisch!

Anlass genug für mich, mir das Thema „Finanzen für Frauen“ mal näher anzuschauen.

Finanzangebote speziell für Frauen – ist das notwendig?

Mir – als Mann – stellt sich die Frage: Ist es wirklich notwendig, sich mit Informationsangeboten rund um das Thema „Finanzen“ speziell an Frauen zu richten? Gibt es wirklich so viele frauenspezifische Finanzthemen, die eine entsprechende Fokussierung auf Frauen rechtfertigen?

Diesen Fragen möchte ich diesem Artikel nachgehen.

Aus meiner Sicht gibt eine viele Finanzthemen, die sowohl Männer als auch Frauen betreffen, z.B.:

  • Aufbau von Finanzwissen – die Bereitschaft, seine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen, statt sich provisionsgetriebenen Finanzberatern anzuvertrauen;
  • Altersvorsorge: Ein Thema, das insbesondere für die Generation der Millennials eine ungeheure Bedeutung besitzt;
  • Nutzung neuer, einfacher Finanzprodukte wie Exchange Trades Funds (ETFs).

Diese Themen adressiere ich mit einem Blog. Nicht speziell für Frauen. Aber auch für Frauen. All diese Themen sind aus meiner Sicht zunächst einmal für Frauen und Männer gleichermaßen interessant und relevant.

Die Bedeutung der Altersvorsorge ist für Frauen noch größer als für Männer

Aber schon beim Thema Altersvorsorge ergibt sich bei näherer Betrachtung recht schnell die erste Besonderheit. Deren Bedeutung ist für Frauen noch größer als für Männer.

Deutschlands wohl erfahrenster Anlageexperte Gottfried Heller kritisiert in seinem Buch Die Revolution der Geldanlage* die Kurzfristorientierung der Rentenpolitik in Deutschland und spricht von einer tickenden Zeitbombe. Es gelte das Motto „Nach mir die Sintflut“. Frauen sind von Altersarmut besonders stark betroffen, da sie als Mütter durch Kindererziehungszeiten oft die viel zitierte unterbrochene Erwerbsbiografie aufweisen – und nicht genügend Rentenpunkte ansammeln.

Frauen zahlen im Durchschnitt nur 32 Jahre in die Rentenversicherung ein, Männer fast 41 Jahre. Frauen müssen, um Altersarmut zu vermeiden, bei der privaten Altersvorsorge also umso mehr auf eine ertragreiche Geldanlage achten.

Finanzbildung speziell für Frauen – gelobt sei, was funktioniert

Besonderheiten beim Thema Altersvorsorge leuchten mir also schonmal ein. Und sonst? Gibt es weitere, frauenspezifische Finanzthemen?

Man sagt Frauen nach, dass sie prinzipiell die besseren Investoren seien. Da sie besser verstehen wollen, was sie eigentlich tun und was mit ihrem Geld passiert – und daher bewusster anlegen. Also ein bisschen so wie beim Autofahren… Männer hingegen sind risikobereiter und „tun“ Dinge einfach – z.B. ihr Geld in Aktien anlegen. Das Problem für Frauen: Sie investieren aufgrund ihrer Zurückhaltung dann zu häufig gar nicht, was sich fatal auf die notwendigen Bemühungen für die Altersvorsorge auswirkt.

Hier setzen dann Angebote zur Finanzbildung und zum Money Mindset speziell für Frauen an. Ob derartige Angebote wirklich frauenspezifisch aufbereitet sein müssen, um zu funktionieren, darüber kann man aus meiner Sicht geteilter Meinung sein. Aber hier gilt: „Gelobt sei, was klappt“. Wenn es durch frauenspezifische Angebote gelingt, mehr Frauen das notwendige Finanzwissen zu vermitteln und ihre häufig geringe Sparquote zu erhöhen, dann ist es der richtige Ansatz.

Die Auswirkungen von Kindererziehungszeiten auf die Finanzen

Apropos geringe Sparquote – diese hat auch folgende Ursachen: Frauen arbeiten mehr in Teilzeit, da sie häufiger als Männer den zeitlich größeren Anteil an der Kindererziehung wahrnehmen.
Weiterhin verdienen sie häufig weniger als Männer, selbst wenn sie den gleichen Job im gleichen Umfang ausüben. „Gender Pay Gap“ lautet das Stichwort. Hier sind wir dann wieder beim Thema Mindset und Selbstvermarktung.

In vielen Familien sind Finanzen „Männersache“. Dies ist allerdings für Frauen dann gefährlich, wenn es zur Trennung kommt und „frau“ plötzlich auf sich allein gestellt ist. Das Bewusstsein hierfür zu wecken und Frauen dazu zu motivieren, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen – auch das kann aus meiner Sicht Sinn machen.

Ich möchte noch einmal auf das Thema Kindererziehung und Erziehungszeiten zurückkommen. Dadurch, dass diese häufig überwiegend durch Frauen wahrgenommen wird, tragen Frauen auch die höhere finanzielle Last – in Form entgangenen Gehalts. Dieses führt nicht nur dazu, dass geringere Rentenansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung erworben werden, sondern auch dazu, dass weniger Geld für private Altersvorsorge und andere Sparziele zur Verfügung steht.

Und ja – das muss ich auch als Mann zugeben – das ist in der Tat ungerecht.

Wie kann finanzielle Gerechtigkeit zwischen Partnern hergestellt werden?

Wie kann man hier einen Ausgleich schaffen? Claudia Müller vom Female Finance Forum empfiehlt zweierlei: Zum einen könne zwischen den Partnern eine ausgewogene Teilzeitregelung gefunden werden, durch die es dann gar nicht erst zu den großen Gehaltseinbußen kommt.

Zum anderen sollte, wenn sich das Paar für eine „klassische“ Rollenverteilung entscheidet, ein finanzieller Ausgleich geschaffen werden. Dies könne durch ein sogenanntes 3-Konten-Modell erfolgen. Hierbei fließen zunächst beide Gehälter komplett auf ein gemeinsames Konto. Von diesem Gemeinschaftskonto werden dann alle laufenden Kosten beglichen (Miete, Lebensmittel, Auto etc.).

Zusätzlich hat jeder Partner ein eigenes Konto, auf das vom Gemeinschaftskonto ein gleich hoher Betrag überwiesen wird. Damit kann jeder für sich machen, was er will: Sparen, verkonsumieren – was auch immer. Durch dieses 3-Konten-Modell wird also schonmal ein Ausgleich im finanziellen Alltag geschaffen.

Darüber hinaus ist denkbar, dass – aus Gründen der Gerechtigkeit – der Hauptverdiener (oft der Mann) für den in Teilzeit oder gar nicht arbeitenden Partner, der sich um die Kindererziehung kümmert (oft die Frau) einen Ausgleich für die Altersvorsorge schafft. Denn dem nicht arbeitenden Partner entgehen Gehalt und Rentenpunkte. Hierfür kann der Mann (ich bleibe mal bei dieser Rollenverteilung) dann in eine private Altersvorsorge für seine Frau einzahlen, bzw. ihr Geld für selbige zur Verfügung stellen. Auch das erscheint mir unter dem Aspekt „Gerechtigkeit“ plausibel.

Banking für Frauen – reines Marketing?

Kritisch zum Thema „Banking für Frauen“ äußert sich blackwater.live – dieses sei „totaler Quatsch“. Es heißt dort: „Geldanlage für Frauen ist nicht anders als für Männer. Geld kennt kein Geschlecht. Sie soll zu einem Ziel führen: Dass es Euch gut geht und Ihr ein schönes Leben habt. Daher solltest Ihr in Euch selbst investieren, weil Ihr es Euch wert seid.“

Die Kritik bezieht sich allerdings auf die Anbieterseite. Gemeint ist also die Finanzbranche, welche versuche, ihre provisionsträchtigen Produkte – frauenspezifisch emotional aufgeladen – dem weiblichen Geschlecht zu verkaufen. Unter dem Strich komme dabei folgendes heraus:

  • Banking unisex: Verkauf von teuren Finanzprodukten an Er/Sie/Es
  • Banking für Frauen: Verkauf von teuren Finanzprodukten von Frauen an Frauen. (nicht für Frauen)

Ein Mehrwert speziell für Frauen werde hierdurch nicht geschaffen.

Fazit

Finanzielle Bildung ist wichtig für alle. Aber aufgrund der Lebensrealitäten vieler Frauen (durch Erziehungszeiten und real existierend Phänomene wie Gender Pay Gap) sowie das geschlechterspezifische „Mindset“ (welches offensichtlich viele Frauen z.B. vom Investieren abhält) haben meiner Meinung nach frauenspezifische Angebote in puncto Finanzen durchaus ihre Berechtigung.

Ganz allgemein – geschlechterunspezifisch – gilt: Jeder sollte sich selbst um seine Finanzen kümmern, und diese nicht interessengeleiteten Dritten überlassen. Nur wer in sein Finanzwissen und seine finanzielle Bildung investiert, kann sich unabhängig machen von Bankberatern und Finanzmaklern.

Wenn frauenspezifische (Bildungs-/Informations-)Angebote dabei helfen, mehr Frauen zu Finanzthemen zu erreichen als mit neutralen „Unisex“ Angeboten, dann ist es der richtige Ansatz.

Den Bloggerinnen, Finanz- und Mindset-Coaches, die sich auf das Thema „Finanzen für Frauen“ fokussieren, wünsche ich daher bei ihren Aktivitäten weiterhin viel Erfolg!

Bildnachweis: © geralt von pixabay.com

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