ETF-Namen verstehen: Das verbirgt sich hinter den Abkürzungen

ETF-Namen verstehen: Das verbirgt sich hinter den Abkürzungen

ETF-Namen können – mit ihren zahlreichen, teilweise kryptischen Abkürzungen – schon verwirrend sein.

Wer könnte schon spontan erklären, was sich genau hinter dem „UBS ETF (LU) Barclays MSCI US Liquid Corporates Sustainable UCITS ETF (hedged to EUR) A-acc“ verbirgt?

Als Anleger sollten wir aber verstehen, was wir kaufen. In diesem Artikel möchte ich daher erläutern, wie ein ETF-Name aufgebaut ist, welche Bestandteile er hat und was die gängigsten Abkürzungen bedeuten.

Exchange Traded Funds (ETFs) sind aus meiner Sicht das ideale Produkt für Privatanleger, die sich an der Börse engagieren wollen. Auf ganz einfache Art und Weise kannst du schon mit kleinen Beträgen kostengünstig und breit gestreut in Aktien investieren, um deren langfristig überdurchschnittlichen Renditechancen zu nutzen.

Aber: Wenn sich der motivierte Neu-Börsianer bzw. ETF-Einsteiger an die Eröffnung seines Depots macht und einen oder mehrere ETFs (für eine Einmalanlage oder einen Sparplan) auswählen möchte, dann ist die Verwirrung oft groß. Welchen aus den – je nach Online Broker – teilweise mehreren hundert angebotenen ETFs soll ich nur auswählen? Und was bedeuten all die Abkürzungen?

Wie sind ETF-Namen aufgebaut?

So kompliziert, wie es auf den ersten Blick erscheint, ist es gar nicht. Ein ETF-Name besteht aus vier wesentlichen Komponenten:

  1. ETF-Fondsgesellschaft (Marke)
  2. Indexname (inkl. Indexanbieter)
  3. Regulatorische Hinweise
  4. Weitere Merkmale (nicht bei allen ETFs).

Der Aufbau eines ETF-Namens ist also: [ETF-Fondsgesellschaft] / [Indexname] / [Regulatorische Hinweise] / [Weitere Merkmale].

Ein einfaches Beispiel ist: Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1C.

Diese vier Komponenten und die wesentlichen mit ihnen verbundenen Begrifflichkeiten und Abkürzungen werde ich nachfolgend im Detail erläutern.

Erste Komponente: ETF-Fondsgesellschaft

Zu Beginn des ETF-Namens wird der Name des Anbieters / der ETF-Fondsgesellschaft aufgeführt. Große und bekannte Anbieter sind (ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit):

  • iShares (Blackrock Asset Management)
  • Xtrackers (Deutsche Bank)
  • SPDR ETF (State Street)
  • Vanguard (ein genossenschaftlicher Asset Manager und gleichzeitig der ETF-Pionier)
  • Lyxor (Société General)
  • ComStage (ehemals Commerzbank, gehört jetzt zu Lyxor)
  • Amundi (Credit Agricolé und Société General)
  • UBS
  • BNP Paribas Easy
  • Invesco
  • Deka ETF
  • etc.

In dem oben genannten einfachen Beispiel nennt sich der Anbieter Xtrackers. Dies ist die ETF-Fondsgesellschaft / ETF-Marke der Deutschen Bank.

Zweite Komponente: Indexname

Wertpapierindizes gibt es wie Sand am Meer. Es gibt globale Aktienindizes (MSCI World, MSCI ACWI), Schwellenländer Indizes (MSCI Emerging Markets), amerikanische Aktienindizes (Standard & Poors 500), europäische Aktienindizes (MSCI Europe, Stoxx Europe 600, Euro Stoxx 50), länderspezifische z.B. deutsche Aktienindizes (DAX, MDAX) sowie jede Menge weitere Indizes, die z.B. branchenspezifisch Akzente auf einzelne Bereiche der Wirtschaft setzen.

MSCI, Stoxx, Standard & Poors oder FTSE sind Beispiele für große Indexanbieter. Am bekanntesten dürfte der Anbieter MSCI sein. MSCI steht für Morgan Stanley Capital International und ist der Name des US-amerikanischen Finanzdienstleisters, der die nach ihm benannten Indizes veröffentlicht. FTSE steht für Financial Times Stock Exchange und ist ein britisches Unternehmen, das Indizes veröffentlicht. Die Firma wurde 1995 als Joint Venture von der Financial Times und der Londoner Börse gegründet.

Die Indizes lassen sich für eine erste Orientierung in verschiedene Kategorien unterteilen. Verbreitete Indexkategorien sind:

  • Weltportfolio (MSCI World, MSCI ACWI, MSCI Emerging Markets)
  • Regionen (Europa, Eurozone, BRICS, Asien)
  • Einzelne Staaten (z.B. Deutschland, USA)
  • Branchen (z.B. Energie, Technologie, Gesundheitswesen, Konsumgüter)
  • Rohstoffe (z.B. Öl, Edelmetalle, Industriemetalle, Landwirtschaft)
  • Spezielle Strategien (z.B. Dividenden oder Nachhaltigkeit)
  • Immobilien
  • Anleihen
  • Smart Beta.

Die Kategorie findet sich im Namen meist in Verbindung mit dem Indexanbieter wieder.

In unserem Beispiel ist der Indexname MSCI World. Dieser Index des Anbieters MSCI (Morgan Stanley Capital International) bildet weltweit ca. 1.650 Aktien aus 23 Ländern und unterschiedlichen Branchen ab und gehört zu den bekanntesten und bei Anlegern beliebtesten Indizes überhaupt.

Dritte Komponente: Regulatorische Hinweise

An dritter Stelle des ETF-Namens finden sich regulatorische Hinweise.

In unserem Beispiel ist dies die Abkürzung UCITS. Diese Buchstabenkombination steht für Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities (zu deutsch: OGAW – Organismus für Gemeinsame Anlage in Wertpapiere). Hierbei handelt es sich um eine Anlagerichtlinie, die den Anlegerschutz in der Europäischen Union regelt.

Geregelt wird in dieser Richtlinie beispielsweise, in welche Vermögensgegenstände investiert werden darf und welche Gewichtungsobergrenze für eine einzelne Aktie in einem Fonds besteht. Für uns als Anleger bedeutet das Kürzel UCITS also, dass beim ETF-Investment Rechtssicherheit nach europäischen Standards besteht.

Mit der abschließenden Bezeichnung ETF (für Exchange Traded Fund – börsengehandelter Indexfonds) wird eine Abgrenzung zu ähnlichen Produkten wie ETCs (Exchange Traded Commodities – börsengehandelte Rohstoffe) und ETNs (Exchange Traded Notes – börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen) vorgenommen.

Vierte Komponente: Weitere Merkmale des ETFs

Als weiteres Merkmal enthält  der ETF-Name in unserem Beispiel noch den Zusatz 1C. Hiermit wird eine sog. Anteilsklasse beschrieben. ETFs werden nämlich häufig in verschiedenen Anteilsklassen aufgelegt, die sich z.B. hinsichtlich der Währung, Gebühren oder Ertragsverwendung unterscheiden.

Diese Bezeichnungen sind allerdings von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Welche genauen Merkmale mit der jeweiligen Anteilsklasse verbunden sind, kannst du dem „Fact Sheet“ / den „Wesentlichen Anlegerinformationen“ entnehmen. Diese Informationen sind für jeden ETF bei deiner Online Bank bzw. deinem Online Brokern verlinkt, bei dem du dein Depot hast oder eröffnen kannst.

C und Acc stehen beispielweise für thesaurierende („accumulating“) ETFs, bei denen die Erträge (z.B. Dividenden oder Zinsen) wieder reinvestiert werden.

D, Dis und Dist stehen für ausschüttende („distributing“) ETFs, bei denen die Dividende an die Anleger ausgezahlt und auf dem Konto gutgeschrieben wird.

Damit ist unser einfaches Beispiel „Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1C“ bereits entschlüsselt. Nun gehe ich noch auf weitere Namenszusätze ein.

Indexreplikation: Was bedeutet DR und SWAP?

Ein weiteres Merkmal, das häufig im ETF-Namen zu finden ist, betrifft die Indexreplikation. Bei direkter (physischer) Replikation findet man häufig die Abkürzung DR („Direct Replication“) im ETF-Namen. Das Gegenteil wird als synthetische Replikation bezeichnet. Diese ETFs enthalten im Namen meiste den Zusatz SWAP. Aber worin genau besteht hier der Unterschied?

  • Ein physischer / direkt replizierender ETF kauft alle Wertpapiere, die in dem Index enthalten sind, auch tatsächlich physisch ein. Sofern sich die Zusammensetzung eines Index ändert (wie z.B. im September 2018 beim DAX: Commerzbank raus, Wirecard rein), kauft ein replizierender Index das neue Wertpapier und verkauft das andere, welches nicht mehr dem Index angehört.
  • Bei synthetischen („Swap“-basierten) ETFs garantiert der Anbieter des ETFs hingegen nur die Wertentwicklung des gewählten Index, ohne dass er selbst die Wertpapiere des Index hält. Hierfür sucht sich der Anbieter ein Gegenüber, den sog. Swap-Kontrahenten (meist eine andere Bank). Dieser garantiert die Erträge aus dem im Index befindlichen Wertpapieren. Dies führt dazu, dass der ETF nicht jede Veränderung nachvollziehen muss, was zu reduzierten Transaktionskosten eines synthetischen gegenüber einem physischen ETF führt. Letztendlich handelt es sich hierbei um eine künstliche Nachbildung von Indizes, bzw. von deren Wertentwicklung.

Die Unterscheidungen zwischen thesaurierenden und ausschüttenden sowie zwischen physischer und synthetischer Replikation sind aus meiner Sicht grundlegende ETF-Merkmale, derer man sich bei der Auswahl bewusst sein sollte. Weitere ETF-Auswahlkriterien habe ich in einem separaten Beitrag erläutert.

Zwischenfazit: ETF-Namen sind gar nicht so kompliziert

Das sind eigentlich schon die wesentlichen Abkürzungen, die du als ETF-Einsteiger (der in einen Aktienindex investieren möchte) kennen solltest. Auf wichtige Bezeichnungen für Anleihen-ETFs gehe ich im weiteren Verlauf des Beitrags noch ein.

Mit den oben beschriebenen Informationen kannst du also die meisten der „einfachen“ ETF-Namen schonmal entschlüsseln. Auswendig können musst du das alles natürlich nicht.

Wichtig ist, dass du dir vor der Entscheidung für einen konkreten ETF das „Factsheet“ anschaust und dort nach den Informationen suchst, die du für deine Anlageentscheidung benötigst.

Vertiefung zu den weiteren Merkmalen: IMI, SRI und Ex

Es gibt aber noch eine ganze Reihe weiterer Abkürzungen und Bezeichnungen, die ein ETF-Name enthalten kann. Auch auf diese möchte ich nun noch eingehen.

IMI: Diese Abkürzung steht für „Investable Market Index“. Das bedeutet, dass der Index Unternehmen aller Größenkategorien enthält: Große Unternehmen („Large Caps“), mittelgroße Unternehmen („Mid Caps“) und kleine Unternehmen („Small Caps“). Das Ergebnis ist eine noch breitere Streuung. Während z.B. der MSCI Emerging Markets in ca. 1.100 Unternehmen aus 23 Schwellenländern investiert, deckt der MSCI Emerging Markets IMI rund 2.700 Unternehmen ab.

SRI: Es gibt Indizes, die sich auf eine nachhaltige Geldanlage fokussieren, z.B. den MSCI World SRI. SRI steht für Social Responsible Investing“. Unternehmen, die ihr Geld z.B. mit Waffen, Tabak oder Atomkraft verdienen, sind hier nicht enthalten.

Ex: Dieses Kürzel wird Regionen, Branchen oder Produkten vorangestellt, die von einem Index ausgeschlossen sind. So enthält z.B. der Index MSCI Pacific ex Japan Aktien von Unternehmen aus der Pazifikregion, aber ohne Japan. Oder der Commodity ex agriculture bildet die Entwicklung verschiedener Rohstoffe ab, verzichtet aber auf landwirtschaftliche Produkte wie z.B. Getreide.

ETF-Domizil: Sofern das Fondsdomizil hervorgehoben werden soll, kann der ETF-Name noch ein entsprechendes Länderkürzel enthalten. Hintergrund hierfür sind meist steuerliche oder rechtliche Besonderheiten in bestimmten Ländern. Für europäische Anleger sind meist die UCITS-ETFs von Interesse, die in Europa aufgelegt werden. Die meisten dieser Fonds kommen aus Luxemburg oder Irland, weil dort die rechtlichen Bedingungen günstig sind und steuerliche Vorteile existieren. Außerhalb Europas aufgelegte ETFs tragen nicht den Zusatz UCITS im Namen und weisen hierauf z.T. auch durch entsprechende Länderbezeichnungen hin (z.B. „US“ für USA oder „CA“ für Kanada).

Was bedeutet TR, NR und Hedged?

TR, GR: Diese Abkürzungen stehen für Total Return (Gesamtertrag) bzw. Gross Return (Bruttoertrag). Das bedeutet, dass es sich bei dem entsprechenden Index um einen Performance-Index handelt. Dividenden und Sonderausschüttungen sind hier im Kurs berücksichtigt. Nachteil dieser Berechnungsmethode sind die vom ETF-Anleger zu zahlenden Quellensteuern, die vom Fondsvermögen abgezogen werden. Wird die Quellensteuer nicht eingerechnet, verfälscht dies den Gesamtertrag.

NR, TRN: NR steht für Net Return (Netto-Ertrag) und TRN für Total Return Net (Nettoertrag gesamt). Bei den mit diesen Abkürzungen versehenen ETFs profitiert man als Anleger an den Nettodividenden „nach Steuern“, die Quellensteuer wurde hier bereits abgezogen.

Währung: Nach den Indexnamen folgen teilweise noch Angaben über die Währung des ETFs. Notiert der ETF nicht in Euro (EUR), sondern in einer anderen Währung, wie z.B. US-Dollar (USD), Schweizer Franken (CHF) oder britischem Pfund (GBP), wird dies im ETF-Namen durch das entsprechende „Währungskürzel“ deutlich gemacht.

Hedged: Möchten Anleger kein Wechselkursrisiko gegenüber einer anderen Währung eingehen, können sie in währungsgesicherte ETFs investieren. Bei diesen ETFs wird der Name um die Bezeichnung „hedged“ ergänzt. Unterschieden wird zwischen einer täglichen („daily hedged“) und einer monatlichen („monthly hedged“) Währungsabsicherung.

Ist eine Währungsabsicherung sinnvoll?

Aber inwieweit besteht überhaupt ein Wechselkursrisiko für ETF-Anleger, und ist eine Währungsabsicherung sinnvoll? Der „ETF-Pabst“ Dr. Gerd Kommer widmet sich in seinem Buch Souverän Investieren* auch dieser Fragestellung, mit folgendem Ergebnis: In einem global diversifizierten Aktienportfolio (wie es z.B. über den MSCI World abgebildet wird) ist das Währungsrisiko für die große Mehrzahl der Anleger kein Problem.

Warum ist das so? Zunächst hat die Berichtswährung / Fondswährung eines ETFs (z.B. EUR oder USD) keine Relevanz für das Wechselkursrisiko. Sie ist in beiden Fällen (Fondswährung EUR und Fondswährung USD) exakt gleich, genauso wie es keinen Unterschied für die Temperatur macht, ob ich diese in Celsius, Fahrenheit oder Kelvin messe. Natürlich existiert für einen international anlegenden Aktieninvestor ein Wechselkursrisiko (gegenüber seiner Heimatwährung“), das aber gleichzeitig auch eine Chance ist. In einem global diversifizierten Aktienportfolio ist ein korrektes Währungs-Hedging für Privatanleger überwiegend nutzlos und praktisch undurchführbar.

Nehmen wir als Beispiel wieder den MSCI World mit seinen rund 1.650 Unternehmen aus 23 Ländern. Die größte Einzelposition in diesem Index ist Apple, und Apple wiederum verkauft seine Produkte in ca. 150 Ländern und erzielt Einnahmen in und Ausgaben in Dutzenden von Währungsräumen. Somit ist ein solcher internationaler Aktienkorb faktisch ein unentwirrbar komplexes Gemisch von Wechselkurseffekten, welche das Risiko für den Anleger aber auch nicht systematisch erhöhen. Bei Anleihen hingegen sollte ein Wechselkursrisiko vermieden werden, da diese sonst ihrer Funktion als „Risikoanker“ im Portfolio nicht mehr gerecht werden.

Faktoren: Size, Value und Momentum

„Klassische“ ETFs wie der MSCI World oder der MSCI Emerging Markets sind meist nach der Marktkapitalisierung gewichtet. Ein Nachteil dieser Gewichtung nach Marktkapitalisierung ist, dass diese zu einer starken Gewichtung einzelner Länder und Unternehmen führt. Beispiel MSCI World: Aufgrund der Gewichtung nach Marktkapitalisierung entfallen von den rund 1.650 Aktien 63% auf US-Werte, und auf die „Top 10 Aktien“ entfallen 13% der Gesamtgewichtung.

Wirtschaftswissenschaftler haben daher nach alternativen Gewichtungsformen gesucht. Diese werden als Faktoren bezeichnet. Anhand solcher Faktoren soll eine Überrendite gegenüber der Marktabbildung nach Marktkapitalisierung erzielt werden. Auf die wichtigsten Faktoren gehe ich nachfolgend kurz ein.

Size: Small Caps und Mid Caps, also kleine und mittlere Unternehmen, sind oft flexibler als große Konzerne. Es handelt sich dabei oft um aufstrebende Start-ups oder mittelständische Unternehmen, die in einem Nischensegment eine weltweit führende Position einnehmen. Beispiel: MSCI World Small Cap.

Value: Bei Value-Aktien handelt es sich meist um große Unternehmen, die ein seit langem bewährtes Geschäftsmodell erfolgreich betreiben. Gleichzeitig sind diese Unternehmen günstig bewertet. Diese günstige Bewertung lässt sich anhand von Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) festmachen. Beispiel: MSCI World Value.

Momentum: Im Zuge einer Momentum-Strategie setzen Anleger auf Aktien mit einer großen Kursdynamik (Momentum), also auf Aktien, die in den letzten 12 oder 18 Monaten eine überdurchschnittliche Rendite erzielten. Fortschreiben in die Zukunft lässt sich eine solche Überrendite natürlich nicht, und derartige Aktien sind auch schon verhältnismäßig teuer. Beispiel: MSCI World Momentum.

Faktoren: Quality, Volatility und Dividenden

Quality: Qualitätsaktien zeichnen sich dadurch aus, dass sie gewisse Qualitätsmerkmale aufweisen, die anhand einer fundamentalen Analyse ermittelt werden.  Zu den Qualitätsmerkmalen gehören: Eigenkapitalrendite, ein geringer Verschuldungsgrad sowie hohe und konstante Gewinne. Beispiel: MSCI World Quality.

Volatilität: Als sog. „Low-Volatility-Aktien“ werden schwankungsarme Titel bezeichnet, die keine größeren Kursbewegungen nach oben oder unten vollziehen. Damit können Anleger Risiken im Depot minimieren. Solche Unternehmen erleiden keine so hohen Verluste in Krisenzeiten, erzielen aber in guten Zeiten auch oft geringere Gewinne. Beispiel: MSCI World Minimum Volatility.

Dividenden: Wirtschaftlich gesunde Unternehmen erwirtschaften Erträge, die anteilig als Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Hierbei gibt es Unternehmen, die besonders hohe Dividenden ausschütten – oder dies besonders konstant oder gar mit steigender Tendenz tun (sog. Dividendenaristokraten). In Zeiten von niedrigen Zinsen erscheinen solche Aktien besonders interessant. Beispiel: S&P Global Dividend Aristocrats.

Die Überrendite (Faktorprämie) solcher Faktoren lässt sich – zumindest für einige der genannten Faktoren – anhand empirischer Daten belegen. Allerdings tritt eine solche Überrendite nicht in allen Zeiträumen gleichermaßen auf. Der Faktor Value erzielte beispielsweise zwischen 1975 und 2008 eine überdurchschnittliche Entwicklung gegenüber dem Weltaktienmarkt (gemäß Marktkapitalisierung). Seit der Finanzkrise hinken diese Werte aber dem Gesamtmarkt hinterher. Möglicherweise sind sie aber genau deswegen wieder ein zukünftiger „Renditesieger“.

Wie du ein Weltportfolio mit Faktoren zusammenstellen kannst, habe ich in einem separaten Beitrag beschrieben.

Anleihen ETFs: Ein eigenes Namens-Universum

Ein Wertpapier-Portfolio setzt sich klassischerweise aus einem risikoreicheren (Aktien-)Anteil und einem risikoärmeren (Anleihen-)Anteil zusammen. Bei meinen bisherigen Ausführungen lag der Fokus auf Aktien-Indizes. Doch auch für Anleihen gibt es Indizes und ETFs mit speziellen Namenszusätzen. Auf diese Bezeichnungen möchte ich auch noch kurz eingehen:

  • 3-5 (year), 1-3yr etc.: Derartige Jahresangaben informieren über die Restlaufzeit der in einem Index enthaltenen Anleihen.
  • Government und Sovereign: Hiermit werden Staatsanleihen bezeichnet.
  • Corporate: Hierbei handelt es sich um Unternehmensanleihen.
  • Aggregate: Solche Indizes enthalten sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen.
  • Covered bonds: Diese Anleihen sind von einer Hypothekenbank oder Pfandbriefbank herausgegebene Wertpapiere.
  • Interest rate hedged: Solche ETFs enthalten eine Absicherung gegen Zinsänderungsrisiken.
  • Inflation linked bonds: Derartige Anleihen bieten dem Anbieter einen Schutz vor dem Inflationsrisiko.
  • High yield bonds: Bei solchen Papieren handelt es sich um Anleihen mit einer hohen Verzinsung. Das hört sich erstmal gut an. Allerdings ist die hohe Verzinsung i.d.R. auf eine geringere Bonität der Emittenten zurückzuführen. Daher werden diese auch (weniger positiv) als „junk bonds“ (also „Ramsch-Anleihen“) bezeichnet.

Fazit: Nicht abschrecken lassen

Wenn man den grundlegenden Aufbau verstanden und sich die wichtigsten Abkürzungen vergegenwärtigt hat, dann ist ein (auch längerer) ETF-Name gar nicht mehr so kompliziert, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Die wichtigsten Informationen zur „Decodierung“ habe ich in diesem Artikel beschrieben.

Somit sollte ein zunächst kryptisch erscheinender ETF-Name – nach entsprechender „Entschlüsselung“ – nun kein Grund mehr sein, sich von einer Investment-Entscheidung und einem Start an der Börse abhalten zu lassen.

Bildnachweis: © https://de.depositphotos.com/home.html

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