Rendite ohne Reue – wie ich 3.000 Euro nachhaltig investieren würde [Blogparade #fba18]

Nachhaltige Geldanlage - ein großes Thema für die Generation Y

In diesem Beitrag befasse ich mich mit dem Thema nachhaltige Geldanlage. Und dies aus einem ganz besonderen Grund:

Ich nehme in diesem Jahr erstmalig mit meinem Blog am comdirect finanzblog award #fba18 teil.

Alle Teilnehmer, die die Vorauswahl erfolgreich überstanden haben, sind aufgefordert, mit einem Beitrag zum folgenden Thema auf sich aufmerksam zu machen:

„Angenommen Du gewinnst den #fba18 und erhältst 3.000 Euro Siegprämie. Wie würdest Du diesen Betrag langfristig anlegen?“

Die veröffentlichten Beiträge können dann in der comdirect community diskutiert werden.

Ich habe mich dazu entschlossen, über nachhaltige Investments zu schreiben, da ich glaube dass dies ein gerade für meine Zielgruppe sehr interessanter und zugleich aktueller Ansatz ist.

Warum ich die Siegprämie nachhaltig investieren würde

Mit meinem Blog richte ich mich primär an Berufseinsteiger und Young Professionals aus der Generation Y. Das „Y“ wird englisch „Why“ ausgesprochen. Hierdurch soll ausgedrückt werden, dass ein besonderes Merkmal dieser Generation das kritische Hinterfragen ist.

Dies betrifft diverse Lebensbereiche: Arbeit, Familie, Politik, Freizeit. Und eben auch das Thema Finanzen.

Viele Vertreter der Generation Y wollen meiner Wahrnehmung nach nicht in Unternehmen investieren, die ihr Geld z.B. durch Krieg, Kinderarbeit oder zu Lasten der Umwelt verdienen.

Nachhaltige / ethische Investments gewinnen an Bedeutung. Dies zeigt sich auch an einer deutlichen Zunahme entsprechender Angebote.

Ich finde diesen Investment-Ansatz spannend, da mich das Thema Nachhaltigkeit auch ganz allgemein bewegt. Ansätze wie Wohlstand ohne Wachstum oder ein neues Wirtschaftsmodell Next Economy (abgeleitet aus dem Megatrend Neo-Ökologie) diskutiere ich in meinem privaten Umfeld – gerade in letzter Zeit – immer häufiger. Auch verschiedene Blogs beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Nachhaltigkeit. Mir gefällt z.B. martha’s sehr gut.

In meinem Portfolio finden sich entsprechende Investment-Produkte bislang nicht, da ich vor einigen Jahren für mich eine Anlagestrategie definiert habe und an dieser bislang auch unverändert festhalte. Mein Portfoliozusammensetzung steht, ich glaube (weiterhin) an sie, und die monatlichen ETF-Sparpläne laufen. Ich verfolge hier einen langfristigen „buy & hold“ Ansatz.

Die Siegprämie würde mir aber Spielraum geben, eine entsprechende Anreicherung meines Portfolios um nachhaltige Geldanlagen vorzunehmen. Insofern habe ich mich entschieden, die 3.000 Euro nachhaltig zu investieren, falls ich gewinnen sollte.

Was genau heißt eigentlich nachhaltiges Investieren?

Nachhaltige Geldanlagen sind Finanzprodukte, die nur in solche Unternehmen oder Staaten investieren, die ökologisch, ethisch und/oder sozial agieren. Nicht nur Privatanleger, sondern auch Organisationen wie Kirchen oder Stiftungen interessieren sich zunehmend für entsprechende Investment-Möglichkeiten.

Eine gute Rendite genügt vielen Anlegern nicht. Sie wollen keine „schmutzigen Geschäfte“ unterstützen.

Gerade in Zeiten des Klimawandels, des übermäßigen Verbrauchs natürlicher Ressourcen und der Belastung der Umwelt ist die für mich ein sehr nachvollziehbarer Ansatz.

Die Bezeichnungen für eine derartige Geldanlage sind ganz unterschiedlich (prinzipiengeleitetes, ethisches, grünes, ökologisches oder nachhaltiges Investment), der Grundgedanke ist aber immer gleich: Bei der Geldanlage wird neben den drei klassischen (quantitativen) Anlagekriterien Rendite, Risiko und Liquidität auch (qualitativ) berücksichtigt, wie „grün“ / ethisch / sozial / nachhaltig das Geld investiert wird.

Häufig fällt in diesem Zusammenhang auch der Begriff Magisches Viereck des nachhaltigen Investments.

Eine nachhaltige Kapitalanlage soll neben dem ökonomischen Mehrwert also auch sozialen, ökologischen und humanen Mehrwert schaffen. Der Nachhaltigkeitsbegriff wird meist in drei Bereiche unterteilt:

  • Environment (Umwelt): Schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen wie z.B. Wasser
  • Social (Soziales): Dies betrifft etwa die Einhaltung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen
  • Governance (Unternehmensführung): Als Kriterium für eine nachhaltige Unternehmensführung gilt beispielsweise die nachweisliche Unabhängigkeit von Aufsichtsräten eines Unternehmens.

Gängige Bezeichnung hierfür ist im angelsächsischen Raum die Abkürzung ESG. Weiterhin ist in diesem Zusammenhang die Rede von Socially Responsible Investing, kurz RSI.

Optionen zur nachhaltigen Geldanlage

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe an Varianten für nachhaltiges Investieren. Die wesentlichen sind aus meiner Sicht:

  • Einzelne Aktien nachhaltiger Unternehmen (z.B. aus den Branchen Windenergie, Wasserkraft oder Bio-Nahrung). Bei Investments in einzelne Unternehmen sollte aber (wie bei jedem anderen Einzelinvestment auch) genau hingeschaut und auf eine ausreichende Diversifikation des Gesamtportfolios geachtet werden. Das Beispiel Prokon zeigt, wie ein schlecht wirtschaftendes Unternehmen aus dem Bereich „Regenerative Energien“ in die Insolvenz geraten ist.
  • Nachhaltige Staats- und Unternehmensanleihen / Green Bonds: Zweckgebundene Anleihen zur Finanzierung von Investitionen im Umwelt- oder Sozialbereich.
  • Aktiv gemanagte Fonds mit einem entsprechenden thematischen Schwerpunkt (z.B. erneuerbare Energien oder Wasser). Beispiele für entsprechende Aktienfonds sind der LGT Sustainable Equity Global (ein breit aufgestellter nachhaltiger Aktienfonds) und der LBBW Global Warming (Aktien mit niedrigem CO2 Ausstoß und Unternehmen, deren Produkte / Dienstleistungen der globalen Erwärmung entgegenwirken). Beispiele für ethische / nachhaltige Rentenfonds sind der Kepler Ethik Rentenfonds oder der Fonds DEKA-Nachhaltigkeit Renten.
  • Exchange Traded Funds (ETFs) auf Nachhaltigkeits-Indizes: Beispiele für solche Nachhaltigkeits-Indizes sind der Dow Jones Europe Sustainability Screened, der MSCI USA Socially Responsible oder der MSCI World Socially Responsible.
  • Nachhaltige Riester-Angebote 
  • Investition in Wald / Bäume: Über Anbieter wie Forstinvest oder Forest Finance können entsprechende Investments getätigt werden
  • Crowdinvesting (Schwarmfinanzierung): Plattformen wie bettervest, wiwin oder ecoligo bieten Anlegern die Möglichkeit, auch mit geringen Beträgen in nachhaltige Produkte zu investieren.

Da ich ganz allgemein ein überzeugter Verfechter der Anlage in Exchange Traded Funds bin, wären für mich ETFs auf die oben genannten, führenden Nachhaltigkeits-Indizes erste Wahl.

Ist nachhaltige Geldanlage nicht reiner Idealismus?

Sicherlich gibt es auch ethisch orientierte Anleger, für die der wirtschaftliche Erfolg ihrer Anlage nicht im Vordergrund steht. Hauptsache, die Anlage erfolgt gemäß nachhaltiger Grundsätze. Meiner Meinung nach müssen aber Nachhaltigkeit und das Streben nach Rendite nicht im Widerspruch stehen. Es gibt genügend nachhaltig-ethische Geldanlagen mit einer soliden Wertentwicklung.

Auf Rendite komplett oder großteils zu verzichten, ginge mir persönlich auch zu weit. Dafür sind die heutigen Herausforderungen unserer Generation in puncto Altersvorsorge zu gravierend.

Außerdem gibt es genügend Beispiele, dass das Investieren nach ethischen Grundsätzen auch unter Renditeaspekten erfolgreich sein kann. Das prominenteste Beispiel ist der norwegische Staatsfonds (der größte der Welt), dessen Anlagerichtlinien ethischen Prinzipien folgen. Als inakzeptabel gelten:

  • starke Umweltverschmutzung
  • umfassende Verletzung der Menschenrechte
  • übermäßiger Ausstoß von Klimagasen
  • Produktion bestimmter Waffentypen
  • schwere Korruption
  • Herstellung von Tabakprodukten.

Dieser norwegische Staatsfonds hat über die letzten 20 Jahre eine bessere Rendite erzielt als der Deutsche Aktienindex (DAX).

Manch einem werden die ethischen Prinzipien des norwegischen Staatsfonds sicherlich nicht weit genug gehen: So ist das Investieren in Waffenhersteller nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sondern nur in Unternehmen, die bestimmte Waffentypen (wie Streubomben oder Atomwaffen) produzieren. Aber immerhin ist ein Anfang gemacht.

Über das ideelle Motiv einer Ausrichtung an nachhaltig-ethischen Anlageprinzipien hinaus gibt es sogar Stimmen, die die (momentane) Überlegenheit nachhaltig agierender Unternehmen auch ökonomisch begründen. Die Zeitschrift Euro am Sonntag berichtete in ihrer Ausgabe 33 von der Gefahr des Platzens der sog. Kohlenstoffblase.

Unter der Kohlenstoff-Blase wird die Überbewertung von Unternehmen bezeichnet, deren Geschäftsmodell durch die Umsetzung der vereinbarten Klimaziele beeinträchtigt wird (z.B. Kohle- und Ölförderer). Auch hier agierte der norwegische Staatsfonds vorausschauend. Schon 2015 stieg er aus Energie- und Bergbauunternehmen aus, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit dem Kohlegeschäft machen. Mittlerweile wird zusätzlich (gemäß Empfehlung der norwegischen Zentralbank) mit der Reduktion von Beteiligungen an Öl- und Gasfirmen nachgelegt.

Mit der Abkehr von klimaschädlichen Investments können sich Anleger also vor den Auswirkungen der Dekarbonisierung schützen. Der Wandel von fossilen zu erneuerbaren Energien sowie die Notwendigkeit, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, können einzelne Unternehmen, aber auch ganze Branchen in große Schwierigkeiten bringen (z.B. Versorger, Autobauer, Fluglinien und die Schifffahrt).

Um sich vor derartigen Risiken zu schützen, sollten Anleger CO2-intensive Unternehmen und Branchen meiden.

Kritik an nachhaltigen Investments

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass es auch Kritik an nachhaltigen Geldanlagen gibt. Diese liegt meist in einer mangelnden Prinzipientreue der Anbieter begründet. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen, ob es ein Anbieter mit dem „Nachhaltigkeits-Label“ ernst meint, oder ob er es primär zu Marketingzwecken einsetzt.

Fazit

Aufgrund zahlreicher Angebote (insb. auch ETFs) ist es heute auf vielfältige und auch einfache Weise möglich, nach ethischen / nachhaltigen Grundsätzen sein Geld anzulegen. Rendite und nachhaltiges / ethisches Investieren müssen nicht im Widerspruch zueinander stehen.

Es gibt ein ausreichendes Angebot an nachhaltigen Anlagemöglichkeiten mit Aussicht auf eine attraktive Wertentwicklung. Bei der Auswahl ist genau zu prüfen, ob der versprochene Nachhaltigkeits-Ansatz auch ernsthaft betrieben wird.

Ich persönlich würde – um die Siegprämie zu investieren – aus den verschiedenen dargestellten Anlagemöglichkeiten die ETF-Variante auswählen und für jeweils 1.000 Euro ETFs auf die folgenden, oben bereits genannten Nachhaltigkeits-Indizes kaufen:

  • Dow Jones Europe Sustainability Screened
  • MSCI USA Socially Responsible
  • MSCI World Socially Responsible

Auf diesem Wege lassen sich aus meiner Sicht die Vorteile einer Anlage in ETFs mit einem interessanten Investment-Ansatz kombinieren, der (meiner Wahrnehmung nach) insbesondere innerhalb der Generation Y zunehmend an Beliebtheit gewinnt.

 

Bildnachweis: © geralt von pixabay.com

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Nachhaltige Geldanlage - ein großes Thema für die Generation Y

2 Gedanken zu „Rendite ohne Reue – wie ich 3.000 Euro nachhaltig investieren würde [Blogparade #fba18]

  • 24. August 2018 um 15:43
    Permalink

    Ein sehr interessanter Artikel und ein Thema, dass meine Leser mit Sicherheit auch interessiert. Gibt es eigentlich ein Prüfsiegel oder eine Art Qualitätskontrolle, die die Nachhaltigkeit der Finanzprodukte und die Einhaltung bestimmter Umweltstandards überprüft?

    Viele Grüße,
    Jana
    http://www.martha-s.de

    Antworten
    • 26. August 2018 um 7:35
      Permalink

      Hallo Jana,

      vielen Dank für Dein Feedback. Es freut mich, mit diesem Thema auch Deine Leserschaft anzusprechen.

      Es gibt in Deutschland folgendes Gütesiegel, welches in der Fachwelt auch als seriös gilt:
      https://www.forum-ng.org/de/fng-siegel/vorstellung-des-siegels.html

      Allerdings ist die Teilnahme an einem entsprechenden Audit freiwillig und mit Kosten verbunden. Also können auch Fonds ohne dieses Siegel die entsprechenden Kriterien trotzdem erfüllen.

      Ein europaweit/ global einheitliches Siegel existiert meines Wissens bislang nicht. Allerdings arbeitet wohl die EU-Kommission an einem gesetzlichen Rahmen für einen „grünen“ Finanzmarkt. Denkbar, dass ein entsprechendes Gütesiegel in diesem Rahmen erarbeitet wird.

      Viele Grüße,
      Andreas

      Antworten

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