Lernen vom Börsen-Altmeister: Geld anlegen wie Gottfried Heller

Gottfried Heller Depot

Das Gottfried Heller Depot: Ein Weltportfolio mit Faktoren.

Gottfried Heller – der langjährige Geschäftspartner und Freund von Börsen-Legende André Kostolany gilt als der erfahrenste Börsen-Experte Deutschlands.

In diesem Artikel erfährst du, zu welcher Portfolio-Zusammensetzung er rät – und mit welchen ETFs du diese konkret umsetzen kannst.

Am 04.02.2020 feierte Gottfried Heller seinen 85. Geburtstag.

Sein Buch Der einfache Weg zum Wohlstand* hat mich vor einigen Jahren dazu inspiriert, meinen Vermögensaufbau mit Exchange Trades Funds (ETFs) in Angriff zu nehmen.

Ich durfte ihn mittlerweile schon zweimal persönlich treffen. Über mein erstes Treffen mit Gottfried Heller habe ich in einem Blogbeitrag berichtet.

Weiterhin hat Gottfried Heller einen zweiteiligen Gastbeitrag auf meinem Blog veröffentlicht.

Weltportfolio mit Faktoren

Der Ansatz von Gottfried Heller für eine langfristige Geldanlage lässt sich wie folgt zusammenfassen: Eine weltweite Streuung wird ergänzt durch einige aussichtsreiche sogenannte Faktoren. Hinter der Nutzung dieser „Renditetreiberfaktoren“ verbirgt sich folgendes: In den 1980er und 1990er Jahren legte eine Gruppe innovativer Finanzökonomen (u.a. der spätere Nobelpreisträger Eugene Fama) die Grundlage für Methoden, mit denen man heute die renditebestimmenden Faktoren in den Wertpapiermärkten identifiziert.

Sie versuchten diejenigen statistischen Merkmale von Aktien zu erkennen, die wirklich für Rendite und Risiko verantwortlich sind. Hierfür gibt es unterschiedliche Begriffe, u.a. „Factor Investing“ oder „Smart Beta Investing“.

Faktoren sind quantifizierbare, objektive Merkmale von Wertpapieren, die eine statistisch nachweisbare Erklärungskraft für historische und zukünftige Renditen von Anlageklassen haben.

Aber welches sind nun die langfristig überlegenen Aktienklassen?

Die Wahl der richtigen Aktienklassen

Der Finanzmarktforscher Prof. Eugene Fama hat nachgewiesen, dass erstens niedrigbewertete Value-Aktien (zu Deutsch: Substanzaktien) langfristig besser abschneiden als Wachstumsaktien.

Zweitens, dass Aktien kleinerer Unternehmen (sog. Nebenwerte / Small Caps) besser sind als große Standardaktien, die z.B. im DAX enthalten sind. Für diese Erkenntnisse hat Prof. Fama 2013 den Nobelpreis verliehen bekommen.

Und noch eine dritte Aktienklasse leistet einen wichtigen Beitrag zum höheren Ertrag eines Portfolios: Das sind die Aktien der Schwellenländer (Emerging Markets).

Die Schlussfolgerung: Mit einer Übergewichtung der Aktienklassen Value, Small Caps und Emerging Markets lassen sich höhere Renditen bei reduziertem Risiko erzielen als bei einer marktneutralen Gewichtung mit Standardaktien. Mit „marktneutral“ ist hierbei die „lückenlose“ Abbildung des relevanten Gesamtmarktes auf Basis der Marktkapitalisierung gemeint. Durch das Übergewichten der Faktoren soll eine Überrendite gegenüber einer solchen marktneutralen Abbildung einer Anlage-Klasse erzielt werden.

Neben diesen klassischen Faktoren Small Cap, Emerging Markets und Value gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die unter dem Label „Smart Beta“ vermarktet werden. Hierüber habe ich schonmal einen Gastartikel auf dem Blog freaky finance veröffentlicht.

Ein Wertpapierdepot mit größtmöglicher Sicherheit

Bei der Geldanlage gilt der Grundsatz, dass ein höherer Ertrag auch mit einem höheren Risiko verbunden ist (keine Rendite ohne Risiko). Die Risiken für einzelne Anlageprodukte können aber durch die kluge Strukturierung eines Wertpapierdepots mit relativ einfachen Mitteln deutlich reduziert werden.

Einen Teil des Risikos kann man durch Diversifikation, also durch eine breite Streuung, beseitigen. Die Risikofelder bei der Zusammenstellung eines Portfolios beziehen sich laut Heller im Wesentlichen auf:

  • Das Einzelwertrisiko: Dieses bezieht sich auf eine einzelne Aktie und kann durch breite Streuung wegdiversifiziert werden.
  • Das Aktienklassenrisiko: Auch dieses kann durch breite Streuung über mehrere Aktienklassen hinweg eliminiert werden.
  • Das Gesamtmarktrisiko: Es besteht, wenn alle Aktien weltweit fallen (wie zum Beispiel im Jahr 2008). Dieses lässt sich nicht wegdiversifizieren.

Auch wenn man also nicht alle Risiken vollständig wegdiversifizieren kann, so lässt sich doch durch eine kluge Strategie und eine entsprechende Auswahl das Risiko doch deutlich minimieren.

Vier einfache Regeln für ein optimales Depot

Gerade für Börseneinsteiger ist die Geldanlage mit Exchange Traded Funds (ETFs) ein vielversprechender Ansatz. Gottfried Heller bezeichnet diese in seinem gleichnamigen Buch gar als „Revolution der Geldanlage“*

In diesem Buch zeigt Gottfried Heller, wie Privatanleger mit einfachen Methoden und leicht zu verstehenden Produkten ohne großen Aufwand höhere Renditen bei gleichzeitig reduziertem Risiko erzielen können.

Die folgenden vier einfachen Regeln genügen demnach:

  • Aktieninvestments breit streuen: Das senkt das Risiko.
  • International investieren: Das steigert die Rendite.
  • Langfristig überlegene Aktienklassen übergewichten: Dies sind Substanzwerte mit hoher Dividende, Nebenwerte (Small Caps) und Papiere aus Schwellenländern (Emerging Markets).
  • Anlagehorizont verlängern: Auf mindestens fünf bis zehn Jahre.

Mit breiter internationaler Streuung, starken Aktienklassen und einem langen Anlagehorizont ist ein Portfolio also ertragsstark und risikominimiert.

Die oben genannten Ausführungen betreffen alle die Anlageklasse Aktien. Zusätzlich kann man seinem Depot einen Anleiheanteil als Sicherheitsnetz hinzufügen, um das Restrisiko weiter zu senken.

Gegenüber einem zu 100 Prozent aus Aktien bestehenden Depot sinkt durch die Beimischung einer risikofreien Anlage – z.B. kurzlaufende Bundeswertpapiere (Laufzeit von 12 bis 18 Monaten) – proportional die Rendite, jedoch sinken zugleich die Schwankungen überproportional.

Konkrete ETFs zur Umsetzung des Heller-Depots

In der Ausgabe 06/2019 schrieb das ETF Extra Magazin, mit welchen konkreten ETFs Privatanleger das Konzept von Gottfried Heller in einem sog. „Heller-Depot“ umsetzen können.

Die Grundprämissen von Gottfried Heller sind zunächst zwei Aspekte: Breite Streuung und niedrige Kosten. Diese lassen sich am besten mit ETFs abbilden.

Der erste Schritt bei der Depotgestaltung ist also die weltweite Streuung, die sich wie folgt umsetzen lässt:

  • Als erster ETF kommt ein weltweiter ETF ins Portfolio, der sich auf Industrieländer bezieht (z.B. der iShares Core MSCI World UCITS ETF / WKN: A0RPWH).
  • Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Weltwirtschaft sind Schwellenländer. Dieses Segment lässt sich beispielsweise mit dem iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF (WKN: A111X9) abbilden.

Mit diesen beiden ETFs haben Anleger prinzipiell schon die wesentlichen Hausaufgaben gemacht. Doch um mittels weiterer Faktoren die oben erwähnten Überrenditen zu erzielen, setzt Heller zur Feinjustierung auf die Faktoren Size, Value und Dividenden. Langfristige Studien belegen, dass die Übergewichtung solcher Faktoren zu einer Überrendite führen kann.

  • Ein solcher belegbarer Faktor ist die Unternehmensgröße. Kleine Unternehmen (Small Caps) können schneller wachsen als die großen Tanker. Eine Möglichkeit, weltweit in solche verheißungsvollen „Nachwuchsschmieden“ zu investieren, ist der SPDR MSCI World Small Cap UCITS ETF (WKN: A1W56P)
  • Der nächste Faktor ist Value. Gemessen an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sind Aktien solcher Unternehmen günstig bewertet. Aktien dieser Firmen weisen langfristig häufig höhere Renditen auf als Wachstumsunternehmen (Growth), deren Aktien oft recht teuer sind. Dieses Segment lässt sich z.B. mit dem Xtrackers MSCI World Value UCITS ETF (WKN: A1103E) abbilden.
  • Zuletzt setzt Heller noch auf Dividenden. Eine Option, weltweit in dividendenstarke Unternehmen zu investieren, ist der iShares STOXX Global Select Dividend 100 UCITS ETF (WKN: A0F5UH). Dieser bietet Zugang zu 100 Aktien mit hohen Dividendenausschüttungen aus dem Stoxx Global 1800 Index.

Das Heller-Depot auf einen Blick

Zusammenfassend sieht das Heller-Depot bei einer Gleichgewichtung wie folgt aus:

Anlagefokus / FaktorGewichtungETFWertpapier-Kennnummer (WKN)
Welt Industrieländer20%iShares Core MSCI World UCITS ETFA0RPWH
Schwellenländer20%iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETFA111X9
Welt Small Cap20%SPDR MSCI World Small Cap UCITS ETFA1W56P
Welt Value20%Xtrackers MSCI World Value UCITS ETFA1103E
Dividenden20%iShares STOXX Global Select Dividend 100 UCITS ETF (DE)A0F5UH

Die Strategie lässt sich natürlich genauso mit vergleichbaren ETFs anderer Anbieter umsetzen, welche ebenfalls die genannten Faktoren / Indizes abbilden.

Fazit

Die Hinzunahme der genannten Faktoren soll beim langfristigen Vermögensaufbau für eine zusätzliche Rendite sorgen. Empirisch lassen sich diese Effekte langfristig nachweisen.

Als Anleger sollte man sich aber bewusst sein, dass es auch mal längere Zeiträume mit mäßigen Renditen geben kann. Wer sich für derartige Faktoren entscheidet, sollte also Zeit mitbringen – was aber bei einer Anlage in Aktien ohnehin immer der Fall sein sollte.

Weiterhin sollten die ursprünglichen Gewichtungen von Zeit zu Zeit wieder hergestellt werden (Rebalancing).

Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Umsetzung!

Bildquelle: Fiduka

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