DAX vs. MDAX: Welcher deutsche Börsenindex ist die bessere Wahl?

DAX vs. MDAX: In diesem Artikel gehe ich der Frage nach, welcher deutsche Börsenindex für Anleger aus meiner Sicht die bessere Wahl ist.

Von Börsenindizes ist im Zusammenhang mit den zunehmend beliebten Exchange Traded Funds (ETFs) häufig die Rede. Daher möchte ich zunächst erläutern, was ein Börsenindex genau ist und welche Funktionen er erfüllt.

Am Beispiel des DAX, des bekanntesten deutschen Aktienindex, gehe ich etwas näher auf einen konkreten Index und seine Besonderheiten ein.

Weiterhin vergleiche ich den DAX mit einem anderen deutschen Börsenindex: dem MDAX.

Was ist überhaupt ein Börsenindex?

Zunächst möchte ich der Frage nachgehen, was ein Börsenindex überhaupt ist.

Ein Börsenindex bildet die Kursentwicklung der in ihm enthaltenen Wertpapiere ab. Er soll die Entwicklung auf dem abgebildeten Teilmarkt (z.B. „große deutsche Aktien“) repräsentativ dokumentieren. Ausgangspunkt für die Berechnung ist immer ein bestimmter Zeitpunkt mit einem zugehörigen Punktwert als Basis.

Führende Indexanbieter an den internationalen Finanzmärkten sind beispielsweise:

  • Dow Jones & Company Ltd. (z.B. Dow Jones Industrial Average Index)
  • STOXX Ltd. (z.B. Dow Jones EURO STOXX 50 Index)
  • Morgan Stanley Capital International (z.B. MSCI-World Index)
  • Deutsche Börse AG (z.B. DAX).

Das Angebot an Börsenindizes ist schier unermesslich. Es gibt globale Aktienindizes (z.B. MSCI World), Schwellenländer Indizes (z.B. MSCI Emerging Markets), amerikanische Aktienindizes (z.B. Standard & Poors 500), europäische Aktienindizes (z.B. Euro Stoxx 50), länderspezifische und branchenspezifische Indizes.

Die im Index enthaltenen Wertpapiere, ihre Gewichtung im Index, die Berechnungsart sowie die Regeln für den Austausch der Wertpapiere des Indizes werden vom Indexanbieter festgelegt.

Börsenindizes der Deutschen Börse

In diesem Artikel geht es um deutsche Börsenindizes. Die bekanntesten Indizes der Deutschen Börse sind:

  • Deutscher Aktienindex (DAX): 30 größte deutsche Aktien („Blue Chips“)
  • Midcap DAX (MDAX): 60 größte auf den DAX folgende Aktien aus klassischen Branchen
  • Smallcap DAX (SDAX): 70 größte auf den MDAX folgende Aktien aus klassischen Branchen
  • Technology DAX (TecDAX): 30 größte Aktien aus Technologiebranchen.

Viele Aktienindizes der Deutschen Börse haben den 30.12.1987 als Basis. Der DAX und der MDAX starteten mit einem Punktwert von 1000. Der DAX wurde zum Jahreswechsel 1987 / 1988 gestartet. Der MDAX wurde 1996 eingeführt, die rechnerische Indexbasis liegt aber (genauso wie bei DAX und SDAX) bei 1.000 Punkten zum 30.12.1987. Hierdurch ist die Entwicklung der Indizes direkt vergleichbar.

Funktionen von Börsenindizes

Ein Börsenindex erfüllt im Wesentlichen drei Funktionen.

Zum einen hat er ein Informationsfunktion, denn über den Indexstand kannst Du Dir einen Überblick über das Marktgeschehen verschaffen.

Weiterhin dienen Börsenindizes als Vergleichsmaßstab und haben somit eine Benchmarkfunktion. Die Entwicklung einer Wertapieranlage (z.B. eines aktiv gemanagten Investmentfonds) kann mit dem Index verglichen werden.

Und schließlich haben Börsenindizes eine Produktfunktion. Indexfonds, sog. Exchange Traded Funds (ETFs) bilden einen Index nach, indem alle darin enthaltenen Wertpapiere entsprechend ihre Gewichtung erworben werden.

Die Vorteile des Index-Investierens

Index-Investieren bedeutet, passiv in einen gesamten Börsenindex zu investieren, statt einzelne Aktien zu selektieren. Die Indexfonds werden ETFs genannt. ETF steht für Exchange Traded Fund – zu Deutsch börsengehandelte Fonds.

Damit sind wir bei der eben erwähnten Produktfunktion eines Index. Über börsengehandelte Indexfonds (ETFs) haben auch Privatanleger die Möglichkeit, bereits mit kleinen Beträgen in einen breit gestreuten „Korb“ an Aktien, nämlich den Index, zu investieren. In der Vergangenheit war dies für Kleinanleger – aufgrund von Mindestauftragskosten und hohen Gebühren / Handelskosten – häufig nicht darstellbar. Deutschlands wohl erfahrenster Anlageexperte Gottfried Heller spricht in diesem Zusammenhang auch von der Revolution der Geldanlage* .

Diese Indexfonds sind hinsichtlich ihrer Zusammensetzung transparent, einfach zu verstehen und können über eine Bank oder einen Online-Broker als „Paket“ gekauft werden, wie eine einzelne Aktie. Die Gebühren dieser Fonds sind sehr niedrig – meist im Bereich 0,2% bis 0,5% pro Jahr, da sie nur einen Index nachbilden und keinen kostspieligen Research-Aufwand erfordern.

Indexanlagen liefern zwar nur die Marktrendite – also den Durchschnitt – doch ein Index ist schon eine gewisse Elite-Auswahl: Gute Aktien werden eingewechselt, die Altersschwachen fliegen raus.

Ein Index ist schon eine Eliteauswahl: Gute Aktien werden eingewechselt, die altersschwachen fliegen raus. (Gottfried Heller)

Berechnungsarten: Kurs- vs. Performance-Index

Es gibt zwei grundsätzliche Berechnungsmethoden, die Entwicklung eines Börsenindex zu messen: nach Kursen und nach Performance.

Kurs-Indizes (auch: Preisindizes) werden aus den Kursen der im Index enthaltenen Wertpapiere errechnet. Ein Kursindex stellt die reine Kursentwicklung dar, bereinigt um Erträge aus Bezugsrechten und Sonderzahlungen. Dividendenzahlungen werden hier nicht dazugerechnet.

Bei der Berechnung von Performance-Indizes wird hingegen unterstellt, dass die Ausschüttungen wieder angelegt werden. Dividendenzahlungen eines Unternehmens werden also in Aktien der ausschüttenden Gesellschaft angelegt und erhöhen den Indexwert. Ein Performanceindex zeigt somit an, welches Ergebnis aus der Anlage in die zugrunde liegenden Wertpapiere insgesamt erzielt werden kann.

Die Deutsche Börse berechnet ihre Indizes grundsätzlich aus Kursen des elektronischen Handelssystems XETRA.

DAX – der bekannteste deutsche Aktienindex

Der DAX ist der bekannteste und zugleich bedeutendste deutsche Aktienindex. Er wurde zum Jahresbeginn 1988 ins Leben gerufen und feierte somit im letzten Jahr seinen 30. Geburtstag.

Gestartet ist er – gemäß initialer Festlegung – zum Start mit 1000 Punkten. Sein bisheriges Rekordhoch erreichte er im Januar 2018 mit 13.597 Zählern. Dies entspricht einer Wertentwicklung von etwa 8% pro Jahr seit Auflage.

Im Gegensatz zu anderen bekannten Indizes wurde der DAX als Performance-Index konstruiert, d.h. Dividendenzahlungen werden der Wertentwicklung zugerechnet. Dies ist zu berücksichtigen, wenn man die Entwicklung des DAX mit anderen (Kurs-)Indizes vergleicht, bei denen die Dividenden herausgerechnet werden (wie bei einer einzelnen Aktie auch).

Seit Anfang 2000 waren 50 Prozent der Kursentwicklung des DAX durch die Ausschüttung von Dividenden begründet. Wer einen Performance-Index mit einem Kurs-Index vergleicht, vergleicht quasi „Äpfel mit Birnen“.

Zusammensetzung des DAX

Die Zusammensetzung des DAX wird viermal im Jahr überprüft. Vom „Ur-DAX“ wurden, im Vergleich zur heutigen Zusammensetzung, mehr als die Hälfte der Titel ausgetauscht. So wurde beispielsweise zuletzt die Commerzbank vom Anbieter Wirecard verdrängt.

Am Beispiel des DAX lässt sich gut nachvollziehen, wie umfangreich sich die Zusammensetzung eines Index im Laufe der Zeit verändert.

Vergleich Zusammensetzung des DAX Anfang 1988 gegenüber Ende 2018:

19882018
AllianzAdidas
BASFAllianz
BayerBASF
Bayerische VereinsbankBayer
Bayerische Hypotheken- und Wechsel-BankBeiersdorf
BMWBMW
CommerzbankContinental
ContinentalCovestro
Daimler BenzDaimler
DegussaDeutsche Bank
Deutsche BabcockDeutsche Börse
Deutsche BankDeutsche Post
Dresdner BankDeutsche Telekom
Feldmühle NobelE.ON
HenkelFresenius
HoechstFresenius Medical Care
KarstadtHeidelbergCement
KaufhofHenkel
LindeInfineon Technologies
LufthansaLinde
MANLufthansa
MannesmannMerck
NixdorfMunich Re
RWERWE
ScheringSAP
SiemensSiemens
ThyssenThyssenkrupp
VebaVolkswagen
ViagVonovia
VolkswagenWirecard

Hierdurch wird deutlich, wie stark sich die Zusammensetzung eines Börsenindex verändern kann – und wieviele „altersschwache“ Aktien im Laufe der gut 30 Jahre ausgetauscht wurden.

Zusammensetzung des MDAX

Kurz möchte ich auch noch auf die Zusammensetzung des MDAX eingehen.

Die 60 Werte des MDAX stammen aus allen Branchen. Es sind Aktien mittelgroßer deutscher Unternehmen (Mid Caps), die nach Marktkapitalisierung und nach Börsenumsatz auf die Werte des DAX folgen. Gut ein Drittel des MDAX bilden mittelgroße Industrieunternehmen, womit der MDAX die von mittelständischen Industrieunternehmen geprägte deutsche Wirtschaft besser abbildet als der DAX.

Unter dem folgenden Link kannst Du die genaue MDAX Zusammensetzung nachlesen. Weiterhin findest Du letzten Veränderungen in der MDAX Zusammensetzung.

Vergleich DAX Performance-Index vs. DAX Kurs-Index

Werfen wir nun einen Blick auf die Entwicklung des DAX, unterschieden nach Kurs und Performance.

Wenn wir in der Presse über die Entwicklung des DAX lesen, dann wird die Entwicklung des DAX Performance Index angezeigt. In dessen Berechnung werden – wie bereits erwähnt – auch Dividenden und deren Wiederanlage berücksichtigt.

Vergleicht man die Entwicklung als Performance-Index mit der Entwicklung als Kursindex, so zeigen sich gravierende Unterschiede. Über die rund 30 Jahre seit Beginn hat der Performance Index um über 1000% zugelegt, der Kursindex hingegen lediglich um gut 400%.

Aufs Jahr gerechnet ergibt sich eine Entwicklung von ca. 7,8% (Performanceindex) gegenüber ca. 5,2% (Kursindex).

Der DAX unterliegt starken Schwankungen

Die Schwankungen im DAX sind stark, während seine Performance eher mittelmäßig ist.

Weiterhin ist der DAX geprägt von Auto- und Finanzwerten, von vorwiegend veralteten Industrien, während Wachstumswerte weitgehend fehlen. Der Börsenexperte Gottfried Heller empfiehlt daher, bei Investments in Deutschland eher in den MDAX oder TecDAX mit ihren wachstumsstärkeren Titeln zu investieren.

Wenn deutsche Anleger sich überhaupt für Aktien entscheiden, dann investieren sie meist im deutschen Heimatmarkt – in den DAX. Hierdurch bekommen sie ein verzerrtes Bild von der Aktienwelt, die bei weitem nicht so volatil ist wie der DAX. Durch eine höhere, nach Möglichkeit weltweite Diversifikation lassen sich diese Schwankungen reduzieren.

Wer in den DAX investiert, bekommt zwar einen gewissen Branchenmix. Investiert man aber nur in den DAX, so erreicht man keine ausreichende Diversifikation. Wer also lediglich in einen einzelnen Index investieren möchte, der sollte einen weltweit gestreuten Index wählen, z.B. den MSCI ACWI oder den MSCI ACWI IMI .

Ein Überblick über die Schwankungen des DAX findest Du auf der Seite Wallstreet Online. In guten Jahren geht es schonmal 50% oder gar 60% auf Jahressicht nach oben (1985, 1993, 1997), aber in schlechten Jahren (2002, 2008) auch mal 40% gen Süden. Da sind starke Nerven und ein kühler Kopf gefragt!

Kühler Kopf und starke Nerven sind gefragt

Aber wie soll man mit solchen Schwankungen am besten umgehen? Anhand des DAX lässt sich verdeutlichen, dass ein langfristiger Buy and Hold Ansatz beim Investieren erfolgversprechender ist als ein ständiges „rein und raus“: panisches Verkaufen bei Rückschlägen, gefolgt von einem späteren Wiedereinstieg, meist bei dann wieder bei bereits zu hohen Kursen.

Es wäre fatal, die besten Börsentage zu verpassen. Dies verdeutlicht das folgende Beispiel. Wenn Du im Zeitraum von 1987 und 2016 die 15 besten Börsentage des DAX verpasst hättest, dann hättest Du nur eine Wertentwicklung von 4,09% p.a. gehabt – statt 8,33% p.a.! Trotz der damit verbundenen kurzfristigen Risiken sprechen diese Zahlen aus meiner Sicht deutlich für ein langfristiges „Buy and Hold“.

Rendite: MDAX schlägt DAX

Nun komme ich wieder zurück zur vergleichenden Betrachtung von DAX und MDAX.

Wer in den DAX investiert, investiert in große, exportlastige Unternehmen und damit in die Weltkonjunktur. Dagegen bildet der MDAX (bzw. auch der SDAX) eher den deutschen Mittelstand ab, hierin finden sich auch noch etliche familiengeführte Unternehmen. Wer in den MDAX statt in den DAX investierte, bekam also eine spürbar höhere jährliche Rendite.

Stand Januar 2017 zeigte sich für den DAX / MDAX folgende Entwicklung: Seit Ende 1987 legte der MDAX im Durchschnitt um 11,3 Prozent pro Jahr zu, beim DAX sind es „nur“ 8,8 Prozent.

Auch absolut gesehen wird der Unterschied deutlich. Aktuell steht der DAX bei rund 11.000 Punkten, der MDAX bei ca. 23.000 Punkten. Beide Indizes starteten am 31.12.1987 mit einer Index-Basis von 1.000 Punkten. Der MDAX hat also den Anlegern im gleichen Zeitraum über doppelt so hohe Erträge geliefert wie der DAX.

Fazit: Nebenwerte als langfristig überlegene Anlageklasse

Dieses Phänomen „klein schlägt groß“ gibt es übrigens nicht nur in Deutschland, sondern es ist generell zu beobachten – und ist auch wissenschaftlich belegt.

Der Finanzmarktforscher und Wirtschafts-Nobelpreisträger von 2013 Prof. Eugene Fama hat untersucht, welche Anlageklassen langfristig überlegen sind. Ergebnis:

  • Niedrigbewertete Value-Aktien („Substanzaktien“) schneiden langfristig besser ab als Wachstumsaktien
  • Aktien aus Schwellenländern („Emerging Markets“)
  • Aktien kleinerer Unternehmen („Small Caps“) schneiden besser ab als Standardaktien (wie sie z.B. im DAX enthalten sind).

Die Schlussfolgerung: Mit einer Übergewichtung dieser 3 Aktienklassen in einem Portfolio – also Substanzwerte- Nebenwerte- und Schwellenländer-Aktien – können langfristig höhere Renditen bei gleichzeitig reduziertem Risiko erzielt werden als mit Standardaktien.

Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass der DAX im Vergleich zu den anderen deutschen Indizes MDAX, SDAX, TecDAX der am meisten gehandelte Index ist. Denn er bringt im Vergleich dieser Indizes langfristig die niedrigste Rendite – bei gleichzeitig höheren Schwankungen.

Somit schwingt das Pendel bei der Frage „DAX oder MDAX“ für Anleger, die in einen deutschen Börsenindex investieren möchten, meiner Meinung nach zu Gunsten des MDAX aus.

Bildnachweis: © geralt von pixabay.com

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