Rebalancing: So bleibt Dein Portfolio im Gleichgewicht

Rebalancing – wie es funktioniert, was zu beachten ist und warum es ein wichtiger Bestandteil Deiner Geldanlage ist.

Rebalancing – was ist das überhaupt?

Unter Rebalancing versteht man die Umschichtung von Geldanlagen, um eine ursprünglich vorgenommene Gewichtung von Anlageklassen in einem Wertpapier-Portfolio wiederherzustellen.

Sofern Du für das Portfolio Deiner Geldanlagen eine bewusste Vermögensallokation vorgenommen hast, wird diese im Zeitverlauf – durch eine unterschiedliche Wertentwicklung der einzelnen Bestandteile – vom Ursprungszustand abweichen.

Durch Umschichtung kannst Du die ursprüngliche Vermögensaufteilung wieder herstellen.

Vorüberlegung: Persönliche Risikobereitschaft und Vermögensaufteilung

Bevor dieses Thema für Dich relevant wird, musst Du Dir als Anleger erstmal Gedanken darüber machen, wie die für Dich richtige Balance Deines Portfolios überhaupt aussieht.

Dies solltest Du z.B. dann tun, wenn Du das erste Mal eine Geldanlage tätigst. Mit zunehmendem Wissen und zunehmender Erfahrung kann sich Deine Einschätzung auch verändern, beispielsweise wenn Du Deine ersten Erfahrungen mit Aktien gemacht hast, sich Deine Risikobereitschaft erhöht und Du mögliche Vorbehalte gegenüber Aktien abgelegt hast.

In jedem Fall ist im Rahmen der Vermögensaufteilung („Asset Allocation“) ein Gleichgewicht zu definieren, welches die Basis für Deine zukünftig regelmäßigen Rebalancing Aktivitäten darstellt. Eine definierte Balance – Deine persönliche Portfolioaufteilung – ist somit Voraussetzung für das Rebalancing.

Bevor Du Dich also – im Falle einer Anlage mit Exchange Traded Funds (ETFs) – mit der Auswahl von Indizes und konkreten ETFs beschäftigst, musst Du Dir zunächst Gedanken über Deine Risikobereitschaft und die sich daraus ableitende Asset Allocation (also die Aufteilung Deiner Geldanlage auf verschiedene Anlageklassen) machen.

Risikobehaftete und risikoarme Anlageklassen

Dein Portfolio, also Deinen Bestand an Wertpapieren und anderen Geldanlagen, kannst Du ganz grundsätzlich in einen risikobehafteten und einen risikoarmen Teil unterteilen.

Der risikobehaftete Teil ist gekennzeichnet durch

  • höhere Kursschwankungen
  • Risiko hoher temporärer Verluste
  • eine höhere erwartete Rendite.

Risikobehaftete Anlageklassen sind z.B. Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle oder Immobilien.

Der risikoarme Teil ist

  • schwankungsarm
  • die erwartete Rendite ist niedrig
  • nicht komplett risikofrei.

Beispiele für risikoarme Geldanlagen sind Anleihen oder Tagesgeld.

Wie definiere ich das Gleichgewicht meines Portfolios?

Eine klassische Vermögensaufteilung besteht aus Aktien (risikobehaftet) und Anleihen (risikoarm).

Eine Faustregel für die Höhe Deines Aktienanteils am Gesamtportfolio lautet: 100 – Lebensalter = Aktienanteil. Wenn Du also 30 Jahre alt bist, ist nach dieser Regel ein Aktienanteil von 70 Prozent angemessen.

Als grobe Orientierung finde ich diese Regel gut, wobei natürlich immer viele individuelle Komponenten berücksichtigt werden müssen.

Sowohl in Aktien als auch in Anleihen („Renten“) sowie in weitere Anlageklassen lässt sich bequem über Exchange Traded Funds (ETFs) investieren.

Sobald Du eine Aufteilung Deines Portfolios definiert hast, kannst Du Dich zukünftig dem Rebalancing widmen.

Warum ist Rebalancing notwendig?

Durch eine unterschiedliche Renditeentwicklung der einzelnen Portfoliobestandteile im Zeitverlauf verändert sich deren Anteil am Gesamtportfolio.

Unter Rebalancing ist in diesem Zusammenhang die periodische Wiederherstellung Deiner ursprünglich gewählten Portfoliostruktur / Vermögensaufteilung (z.B. 70% Aktien, 30% Anleihen) zu verstehen.

Da risikoreiche Anlageklassen langfristig eine höhere Rendite aufweisen als risikoarme Anlageklassen, würde sich deren Gewicht im Portfolio bei Verzicht auf Rebalancing sukzessive immer weiter erhöhen.

Empfehlung: Portfoliostruktur regelmäßig überprüfen

Um Deine bewusst gewählte Vermögensaufteilung (z.B. 70% Aktien, 30% Anleihen) und somit Dein Chance-Risiko-Verhältnis langfristig beizubehalten, ist es ratsam, Verschiebungen in der Vermögensaufteilung zu korrigieren.

Durch steigende Aktienkurse erhöht sich Dein Aktienanteil beispielsweise auf 85%, während der Anleiheanteil auf 15% sinkt. Somit hast Du einen höheren Anteil risikobehafteter Anlagen, als Du eigentlich gemäß Deiner definierten Asset Allocation haben möchtest. Mit dem Rebalancing stellst Du die ursprüngliche Relation wieder her.

Warum das Ganze? Konsequentes Rebalancing erhöht langfristig die Rendite und senkt das Risiko. Dies gilt inbesondere für Portfolios, die sich gemischt aus Aktien und Anleihen zusammensetzen.

Ohne Rebalancing würde sich bei steigenden Kursen der Aktienanteil immer weiter erhöhen, und somit würde auch das Risiko Deines Portfolios steigen.

Aus meiner Sicht ist es ausreichend, alle 12 Monate die Portfoliostruktur zu überprüfen und bei Bedarf notwendige Aktivitäten zum Rebalancing durchzuführen.

Am besten, Du definierst für Dich hier einen konkreten Termin (z.B. das Ende eines jeden Kalenderjahres), an dem Du Deine Portfoliostruktur überprüfst und bei Bedarf Korrekturen vornimmst.

Sofern Dir Dein Arbeitgeber ein „Weihnachtsgeld“ zahlt, kannst Du einen Teil dieser Sonderzahlung gleich für das Rebalancing verwenden. Gleiches gilt natürlich für die Auszahlung eines jährlichen Gehaltsbonus. Auch an diesem Auszahlungstermin kannst Du Dein Rebalancing zeitlich ausrichten.

So funktioniert Rebalancing

Aber wie funktioniert nun das ganze konkret?

Grundsätzlich gibt es drei Wege, das Rebalancing durchzuführen:

  • Teilweiser Verkauf der im Kurs gestiegenen (risikobehafteten) Aktien oder Aktien-ETF-Anteile sowie Verwendung des Verkaufserlöses für den Erwerb zusätzlicher (risikoarmer) Anleihen / Anleihen-ETF-Anteile. Bei dieser Variante fallen neben den Kaufgebühren zusätzliche Transaktionskosten für den Verkauf an, und Kursgewinne sind zu versteuern.
  • Verwendung zusätzlicher Barmittel für den Kauf neuer Anteile, um den Anleiheanteil zu erhöhen und wieder auf das ursprüngliche Maß zurückzuführen (Wiederherstellung eines 30% Anteils am Gesamtportfolio).
  • Anpassung der Sparplanraten: Sofern Du regelmäßig über einen ETF-Sparplan in Dein Portfolio investierst, kannst Du auch durch Erhöhung und Absenkung der Sparraten für den jeweiligen Portfolioteil für einen Ausgleich sorgen. Je mehr Du schon gespart hast, desto geringer ist natürlich auch der hierdurch erzielbare Effekt.

Sofern Du in ausschüttende (und nicht in thesaurierende = automatisch wieder anlegende) ETFs investierst, kannst Du die ausgeschütteten Beträge auch für den Erwerb zusätzlicher Anleihe-ETF-Anteile verwenden.

Dies hätte den Vorteil, dass Du die Ausschüttungen gleich wieder investierst und nicht in Versuchung gerätst, die ausgezahlten Erträge zu verkonsumieren. Du profitierst damit dann auch gleich stärker vom Zinseszinseffekt.

Veränderung der Lebensumstände oder Anlageziele

Die Wiederherstellung Deiner ursprünglich definierten Vermögensaufteilung ist der Standardfall für das Rebalancing.

Ein weiterer Auslöser kann sein, dass sich Deine Lebensumstände oder Deine Anlageziele verändert haben.

Sofern Du Dich im Verlauf Deines Lebens von der Phase des Vermögensaufbaus hin zur Phase des Vermögensverbrauchs / des „Entsparens“ bewegst, macht (gemäß der oben erwähnten Faustregel: Aktienanteil = 100 minus Lebensalter) eine schrittweise Erhöhung des risikoarmen Anteils Deines Vermögens Sinn. Im Lauf der Jahre kannst Du den risikoarmen Anteil am Portfolio sukzessive auf 40%, 50%, 60% 70% etc. erhöhen.

Je näher die Phase des Vermögensverbrauchs rückt, desto höher sollte Dein risikoarmer Anteil am Portfolio sein. Der Grund: Du hast nun weniger Zeit, Kursschwankungen am Aktienmarkt auszusitzen und auf wieder steigende Kurse zu warten. Du läufst also Gefahr, Aktien zu ungünstigen Kursen verkaufen zu müssen.

Gleiches gilt für den Fall, dass sich Deine Anlageziele verändern und Du z.B. ganz allgemein den risikobehafteten (Aktien-)Anteil am Portfolio reduzieren möchtest. Dies ist beispielsweise denkbar, wenn Du in einigen Jahren den Erwerb einer Immobilie planst.

Wenn Du Dein angespartes Vermögen (ganz oder teilweise) als Eigenkapital in die Finanzierung der Immobilie einbringen möchtest, dann solltest Du nicht Verluste dadurch realisieren müssen, dass Du während einer schwachen Börsenphase mit niedrigen Kursen Deine Aktien verkaufst.

Die Anlage in ETFs erleichtert das Rebalancing

Sofern Du ein aus wenigen ETFs bestehendes Portfolio hast, sind derartige Rebalancing-Aktivitäten natürlich einfacher durchzuführen, als wenn Du viele einzelne Aktien oder Anleihen kaufen / verkaufen musst. Dies erzeugt einen deutlich höheren Aufwand, sowohl was die Anzahl der Transaktionen als auch die damit verbundenen Transaktionskosten angeht.

Mit ETFs lässt sich also auf einfache Art und Weise eine passgenaue Portfoliostruktur abbilden.

Neben dem Rebalancing zwischen Anlageklassen (z.B. Aktien und Anleihen) ist eine weitere Facette die Neugewichtung innerhalb einer Anlageklasse (z.B. Aktien).

Rebalancing auch innerhalb einer Anlageklasse sinnvoll

Innerhalb von Anlageklassen mit ähnlichem Risiko (und somit auch ähnlicher zu erwartender Rendite) hat das Rebalancing einen tendenziell renditefördernden Effekt.

Laut Gerd Kommer* kann dies im günstigsten Fall langfristig zu einer langfristigen Zusatzrendite i.H.v. 0,2 bis 0,4 Prozentpunkten führen. In der wissenschaftlichen Literatur wird dieser Effekt als Rebalancing Bonus oder „Diversifikationsrendite“ bezeichnet.

Ein Beispiel ist das Rebalancing innerhalb Deines Aktienanteils. Wenn Du z.B. zwei Aktien-Indizes besparst (MSCI World und MSCI Emerging Markets), dann besteht das Rebalancing in der Wiederherstellung des bewusst gewählten Verhältnisses von MSCI World (70%) und MSCI Emerging Market (30%).

Beim Rebalancing zwischen Anlageklassen mit deutlich unterschiedlicher Renditeerwartung (also risikobehafteten Aktien und risikoarmen Anleihen) tritt dieser renditefördernde Effekt nicht auf. Stattdessen sinkt durch das Rebalancing hier das Risiko des Portfolios, gleichzeitig aber auch die Rendite.

Transaktionskosten und steuerliche Auswirkungen

Im Rahmen Deiner Rebalancing Aktivitäten solltest Du immer die Transaktionskosten und steuerliche Auswirkungen im Blick haben.

Jede Transaktion kostet Geld (z.B. Transaktionsgebühren für den Verkauf von MSCI World Anteilen sowie Kauf von MSCI Emerging Markets Anteilen).

Weiterhin musst Du realisierte Gewinne aus dem Verkauf des MSCI World auch noch versteuern (Abgeltungssteuer zzgl. Soli und ggf. Kirchensteuer).

Besser ist es also grundsätzlich, für das Rebalancing frisches Geld zu verwenden. Du zahlst dann nur einmal Transaktiongebühren (für den Kauf zusätzlicher Emerging Markets Anteile) statt zweimal (für Verkauf MSCI World und Kauf MSCI Emerging Markets) und sparst Dir die heutige Versteuerung der Gewinne aus dem MSCI World.

In einem gewissen Maß kann es akzeptabel sein, Abweichungen vom Idealverhältnis hinzunehmen (beispielsweise in einem Zielkorridor von plus / minus 5%), um Transaktionskosten und Steuern zu vermeiden.

Je seltener Du ein Rebalancing durchführst, desto geringer sind Deine Transaktionskosten. Ein viertel- oder halbjährliches Rebalancing ist somit kostenintensiver als ein jährliches oder gar 24-monatiges Rebalancing. Es gilt also, ein gesundes Mittelmaß zu finden.

Je mehr Dein Portfolio anwächst, desto schwieriger wird es natürlich, Rebalancing durch Zuführung zusätzlicher Geldmittel vorzunehmen, so dass eine Portfolioumschichtung durch Verkauf und Kauf sich auf lange Sicht häufig nicht vermeiden lässt.

Transaktionskosten und Steuern sind stets gegenüber dem Rebalancing-Vorteil abzuwägen.

Fazit

Um Dein bewusst für Dein Gesamtportfolio gewähltes Chance-Risiko-Verhältnis beizubehalten, lohnt es sich, regelmäßig (jährlich) die Portfoliostruktur zu überprüfen und bei Bedarf ein Rebalancing durchzuführen.

Am besten definierst Du einen fixen Termin für diese Überprüfung der Portfoliostruktur, z.B. das Ende eines Kalenderjahres.

Achte beim Rebalancing auch auf Transaktionskosten und Steuern. Laut Finanztip sollte eine Wertpapiertransaktion nicht mehr als 1% des Anlagebetrages kosten.

Um die Transaktionskosten zu begrenzen, solltest Du nach Möglichkeit frisches Geld verwenden.

Bildnachweis: © Bru-nO von pixabay.com

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