Welche Versicherungen brauche ich in welcher Lebensphase?

 

Welche Versicherungen brauche ich?

Welche Versicherungen brauche ich wirklich? Und welche Versicherungen sind verzichtbar? Diese Fragen haben sich die meisten von uns wahrscheinlich schon einmal gestellt.

Eine pauschale Aussage ist meiner Meinung nach schwierig, da die Antwort – neben individuell unterschiedlichen Präferenzen zur Akzeptanz von Risiken – auch von der Lebensphase bzw. Lebenssituation abhängt, in der wir uns befinden.

Daher möchte ich mich in diesem Artikel der Beantwortung dieser Fragen entlang unterschiedlicher Lebenssituationen nähern.

Existenzbedrohende Risiken zuerst absichern

Das Prinzip einer Versicherung ist, dass sich eine Solidargemeinschaft von gefährdeten Personen durch die Zahlung der Versicherungsprämie gegen den Eintritt eines Schadensfalles absichert. Wenn der Versicherungsfall eintritt, leistet der Versicherer nach dem Grundprinzip der kollektiven Risikoübernahme und tritt für den entstandenen Schaden – im vertraglich vereinbarten Umfang – ein.

Im Endeffekt hoffe ich als versicherte Person natürlich, dass der Versicherungsfall nicht eintritt. Dennoch sollte ich mich gegen weit reichende Risiken absichern. Andere Risiken hingegen sind in ihren Auswirkungen überschaubar, und daher kann ich diese auch selbst tragen.

Grundsätzlich solltest Du Dich zuerst gegen die Risiken absichern, die Dich – aufgrund der großen Tragweite des Schadens – in Deiner (finanziellen) Existenz bedrohen können. Damit sind Schadenshöhen gemeint, die Du nicht zu Not auch selbst „aus der eigenen Tasche“ begleichen könntest.

Unterschiedliche Lebensphasen – unterschiedliche Versicherungen

Die Versicherungen, über deren Abschluss Du nachdenken solltest, variieren je nach Lebensphase / Lebenssituation. Da in Deutschland eine gesetzliche Krankenversicherungspflicht besteht und Du daher in jedem Fall eine Krankenversicherung abschließen musst, habe ich Krankenversicherungen nachfolgend nicht ausdrücklich erwähnt. Aber eine Krankenversicherung ist natürlich für alle Phasen relevant. Über die Entscheidung „gesetzliche oder private Krankenversicherung“ lohnt es sich, in einem eigenen Beitrag ausführlich nachzudenken. Das mache ich dann nochmal separat.

Versicherungen für Berufseinsteiger

Es gibt zwei Versicherungen, die aus meiner Sicht mit dem Start in den Beruf auf jeden Fall abgeschlossen werden sollten.

  • Private Haftpflicht: Eine private Haftpflichtversicherung gehört zum absoluten Basisschutz. Für Schäden, die durch Dein Handeln entstehen (egal ob vorsätzlich oder nicht), musst Du haften. Die Haftpflichtversicherung sichert Dich vor Forderungen anderer Personen ab, die gegen Dich gestellt werden können. Diese Forderungen können – insb. bei Personenschäden – in die Millionen gehen. Ohne entsprechende Versicherung endet das im finanziellen Ruin.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Die BU zahlt Dir, wenn Du Deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst, eine Rente. Gerade für Berufsanfänger ist eine BU wichtig, da Anspruch auf eine staatliche Erwerbsminderungsrente erst besteht, wenn Du fünf Beitragsjahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hast. Und selbst wenn Du eine Erwerbsminderungsrente erhältst, dürfte diese in den seltensten Fällen ausreichen, um Deinen Lebensstandard zu halten. Da Dein Humankapital (in Form noch nicht bezogenen, aber zu erwartenden Einkommens) i.d.R. bis zu einem Alter von ca. 50 Jahren Deinen größten Vermögenswert darstellt (größer als Deine bis dahin angesammelten Ersparnisse / Kapitalanlagen), ist der Abschluss einer BU ratsam.

Versicherungen für (Young) Professionals – Singles

Nach ein paar Jahren im Beruf verdienen viele Leute spürbar mehr als zum Berufseinstieg. Dies wirkt sich auf den Lebensstandard und die Lebensumstände aus. Es ist an der Zeit, um sich – als Single – über die folgenden Versicherungen Gedanken zu machen.

  • Hausratversicherung: Nach einigen Jahren im Beruf wächst häufig auch das Einkommen. Sofern Du dieses in eine teure Wohnungseinrichtung investiert hast, lohnt es sich über eine Hausratversicherung nachzudenken. Diese schützt Dein Eigentum im Haushalt vor Einbruch, Vandalismus, Feuer-, Wasser- und Sturmschäden. Auch wenn Du ein teures Fahrrad im Keller stehen hast, ist dieses versichert.
  • Pflegezusatzversicherung: Mit zunehmendem Alter und Budget kannst Du über eine Pflegezusatzversicherung nachdenken, denn Pflege ist teuer. Diese dient nicht nur als Vorsorge für das Alter, denn zum Pflegefall kannst Du auch in jüngeren Jahren werden.
  • Wohngebäudeversicherung: Sofern Du eine Immobilie besitzt, musst Du diese mit einer entsprechenden Versicherung absichern – gegen Schäden durch Sturm, Hagel, Brand oder Blitzeinschlag. Eine Wohngebäudeversicherung kann um eine Elementarschadenversicherung erweitert werden. Diese versichert Schäden, die durch extreme Unwetter (geflutete Keller bei Hochwasser, abgedecktes Dach etc.) entstehen können.
  • Rechtsschutzversicherung: Wenn Du Dich gegen die Kosten eines Rechtsstreits absichern möchtest, kannst Du eine Rechtsschutzversicherung abschließen. Allerdings sind nur die versicherten Bereiche (meist: Privatrechtsschutz, Mietrechtsschutz, Berufsrechtsschutz und Verkehrsrechtsschutz) nach dem Baukastenprinzip versichert. Zu beachten sind anderweitige Mitgliedschaften, die schon einen Rechtsschutz-Bereich abdecken können (z.B. Arbeitsrecht bei Gewerkschaftsmitgliedern oder Mietrecht bei Mitgliedern im Mieterverein).

Versicherungen für kinderlose Paare

Du hast Deinen Traumpartner kennengelernt, und Ihr zieht zusammen in eine gemeinsame Wohnung. Auch wenn Ihr noch keine Kinder habt, oder generell keine Kinder bekommen möchtet, lohnt sich ein Blick auf die – vorher individuell abgeschlossenen – Versicherungsverträge.

  • Familientarife: Auch für kinderlose Paare besteht Sparpotenzial dadurch, dass Versicherungen zusammengelegt werden. Wohnen die Partner zusammen, braucht z.B. nicht mehr jeder eine eigene Haftpflichtpolice.
  • Hausratversicherung: Wenn beide Partner eine Hausratversicherung besitzen, kann ein Vertrag (meist ist dies der jüngere) gekündigt werden. Hierbei solltet Ihr aber darauf achten, dass die Höhe der Versicherungssumme an den gemeinsamen Hausrat / an die neue Wohnungsgröße angepasst wird.
  • Pflegezusatzversicherung: Wie für Singles, so ist auch für (Ehe-)Paare eine Pflegeversicherung sinnvoll. Dies gilt insbesondere dann, wenn Ihr Euch als Partner im Ernstfall finanziell entlasten möchtet. Allerdings sind solche Verträge tendenziell recht teuer, man muss sich den Beitrag auch langfristig leisten können.
  • Risikolebensversicherung: Insbesondere, wenn Ihr als Paar gemeinsam eine Immobilie gekauft habt und diese gemeinsam abbezahlt, könnt Ihr Euch durch Abschluss einer Risikolebensversicherung gegenseitig absichern. Diese versichert den Tod des Partners und dient dem Schutz des Hinterbliebenen vor den finanziellen Belastungen.

Versicherungen als Familie

Wenn Ihr Nachwuchs bekommen habt, nehmen die Verantwortung und die finanziellen Herausforderungen zu. Zeit, sich erneut dem Thema „Versicherungen“ und Finanzen zuzuwenden.

  • Kinderunfallversicherung / Kinderinvaliditätsversicherung: Wenn ein Kind durch einen Unfall oder durch Krankheit invalide wird, kann eine Kinderinvaliditätspolice die Zukunft finanziell absichern. Je nach Anbieter kann eine Einmalzahlung, eine Rente oder eine Kombination aus beidem vereinbart werden. Eine Kinderunfallversicherung deckt notwendige Therapien, behindertengerechte Umbauten etc. für Unfälle ab, die im Haushalt, Garten oder beim Sport passieren. Die gesetzliche Unfallversicherung deckt nur Unfälle im Kindergarten, in der Schule sowie auf dem Hin- und Rückweg ab.
  • Riester: Je nach Vertragstyp kann sich hinter Riester ein Banksparplan, Wohn-Riester, oder eine (klassische oder fondsgebundene) Rentenversicherung verbergen. Zu Recht wird dieses Produkt vielfach kritisiert. Aber wenn Du angestellt bist, viele Kinder hast und Deine gesetzliche Rente aufstocken möchtest, lohnt es sich über einen Riestervertrag nachzudenken. Hast Du viele Kinder, so profitierst Du von den Kinderzulagen (300 Euro jährlich pro Kind für ab 2008 geborene Kinder) besonders.

Versicherungen als Rentner

Für die meisten meiner Leser dürfte das Rentenalter noch eine ganze Weile hin sein. Der Vollständigkeit halber gehe ich aber auch auf diese Lebensphase kurz ein. Einige Versicherungen, die vorher ihre Berechtigung hatten, können reduziert oder komplett abgeschafft werden, z.B. eine Risikolebensversicherung (Ausnahme: Kinder sind noch in Ausbildung) oder eine Kfz-Versicherung (z.B. wenn weniger Kilometer gefahren werden, oder wenn nur noch ein Partner fährt).

Verzichtbare Versicherungen

Für alle möglichen Dinge gibt es Versicherungen. Aber viele von diesen sind teuer und stehen in keinem gesunden Verhältnis zum gewährten Versicherungsschutz. Folgende Versicherungen sind laut Finanztip verzichtbar:

  • Kapital- oder fondsgebundene Lebensversicherung
  • Rentenversicherung
  • Ausbildungsversicherung
  • Ambulante Zusatzversicherung
  • Restschuldversicherung/Kreditausfallversicherung
  • Sterbegeldversicherung
  • Handyversicherung
  • Glasbruchversicherung
  • Brillenversicherung
  • Krankenhaustagegeldversicherung
  • Reisegepäckversicherung.

Fazit

Manche Versicherungen sind wirklich wichtig. Vor allem diejenigen, die Existenz bedrohende Risiken absichern. Aber nicht alle Versicherungen sind notwendig.

Menschen in Deutschland neigen tendenziell dazu, sich übermäßig zu versichern. Warum das so ist? „German Angst“ trifft auf mangelnde Finanzbildung.

Je nach Lebensphase verändern sich die Anforderungen an den Versicherungsbedarf. Entsprechenden Anpassungsbedarf für Deinen Versicherungsschutz solltest Du von Zeit zu Zeit überprüfen, insbesondere wenn sich Deine Lebensumstände verändern (z.B. durch Heirat, Kinder oder Eigenheimerwerb).

Weiterhin solltest Du darauf achten, den richtigen Tarif beim richtigen Versicherer abzuschließen. Hierfür eignen sich Vergleichsportale im Internet oder themenbezogene Hefte von Finanztest / Stiftung Warentest.

Bildnachweis: © geralt von pixabay.com

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