Riester-Rente – gescheitertes Produkt oder sinnvolle Altersvorsorge?

Riester-Rente

Lohnt sich die Riester-Rente? Oder ist sie nur teuer, bürokratisch und renditeschwach? Der Ruf der staatlich und steuerlich geförderten Riester-Rente ist nicht der beste. Die Kritik ist vielfältig und auch häufig berechtigt.

Doch mit der Wahl des richtigen Produktes kann ein Riestervertrag – auch wegen der staatlichen Zulagen und Steuerersparnisse – ein attraktiver Baustein für die Altersvorsorge  sein.

In diesem Artikel befasse ich mich mit der Frage, ob und für wen sich eine Riester-Rente trotz aller Kritik lohnt.

Was ist die Riester-Rente?

Mit der Riester-Rente hast Du die Möglichkeit, mit staatlicher und steuerlicher Förderung  privat für das Alter vorzusorgen – ergänzend zur staatlichen Rente. Die Riester-Rente soll – zumindest teilweise – den sinkenden Rentenanspruch ausgleichen, der für gesetzlich Rentenversicherte durch verschiedene Rentenreformen (insbesondere unter der Regierung von Gerhard Schröder) entstanden ist.

Die Förderung besteht aus staatlichen Zulagen und der Möglichkeit, die geleisteten Beiträge inkl. der Zulagen in der Einkommensteuererklärung als Sonderausgabe von der Steuer abzusetzen. Im Gegenzug ist die Auszahlung der Riester-Rente aber voll steuerpflichtig. Diese „nachgelagerte Besteuerung“ ist jedoch meist vorteilhaft, da der persönliche Steuersatz im Rentenalter in der Regel niedriger liegt als während der Erwerbstätigkeit im Berufsleben.

Die Bezeichnung „Riester-Rente“ geht auf den ehemaligen Bundesarbeitsminister (von 1998 bis 2002) Walter Riester zurück, der die Förderung der freiwilligen Altersvorsorge durch eine Altersvorsorgezulage vorgeschlagen hatte. Die Einführung dieser privaten Vorsorgeform stellt das Eingeständnis dar, dass die gesetzliche Rente keineswegs so „sicher“ ist, wie sein Vorgänger Norbert Blüm immer behauptet hat. Zumindest nicht in einer Höhe, die ohne ergänzende Vorsorge für einen finanziell sorgenfreien Ruhestand ausreichend ist.

Deine eingezahlten Beiträge und Zulagen werden Dir garantiert. Maximal 30% des Vertragsguthabens kannst Du Dir auszahlen lassen. Für den Rest des Guthabens erhältst Du eine lebenslange Rente, die die gesetzliche Rente ergänzen und Dein „Langlebigkeitsrisiko“ absichern soll.

Wenn Du den Vertrag vorzeitig kündigst, musst Du die Zulagen und die gewährten Steuerersparnisse zurückzahlen. Unter Berücksichtigung der Kosten des Anbieters führt dies oft zu Verlusten.

Wer darf überhaupt „riestern“?

„Riestern“ dürfen im wesentlichen Arbeitnehmer, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, Beamte und Ehepartner von Riester-Sparern.

Die (etwas komplizierten) Einzelheiten, ob Du zum berechtigten Personenkreis gehörst, findest Du hier.

Voraussetzungen für die staatliche Riester-Förderung

Da die Riester-Rente staatlich gefördert wird, hat der Staat strenge Regeln definiert, die Anbieter von Riester-Produkten befolgen müssen. Bevor ein Riester-Produkt verkauft werden darf, benötigt es ein Zertifikat. Dieses Zertifikat wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vergeben. Folgende Voraussetzungen (Zertifizierungskriterien) muss ein zertifizierter Riester-Vertrag erfüllen:

  • Die Auszahlung der Zusatzrente erfolgt erst ab dem 60. Lebensjahr
  • Zu Beginn der Auszahlphase müssen eingezahlte Beiträge und Zulagen garantiert sein
  • Kunden dürfen sich nach der Ansparphase einmalig maximal 30 Prozent des Kapitals auszahlen lassen
  • Die Auszahlung der Zusatzrente erfolgt als lebenslange gleich bleibende oder steigende monatliche Leibrente
  • Der Anleger hat die Möglichkeit, aus dem Sparguthaben für die Altersvorsorge Geld für die Anschaffung selbstgenutzten Wohneigentums zu entnehmen
  • Der Anbieter muss den Anleger über die Anlagemöglichkeiten, die Struktur der Geldanlage und das Risikopotential unterrichten
  • Der Anbieter muss den Anleger vor Vertragsabschluss schriftlich über Höhe und Verteilung der Abschluss- und Vertriebskosten, die Kosten der Vermögensverwaltung und die Kosten bei einem Wechsel zu einem anderen Produkt/Anbieter unterrichten
  • Altersvorsorgeverträge und das darin angesparte Kapital sind nicht pfändbar und unterliegen nicht der Insolvenzmasse
  • Die Höhe der Beiträge ist flexibel: Während der gesamten Laufzeit kannst Du Deine (monatlichen oder jährlichen) Einzahlungen erhöhen oder reduzieren,  wie es gerade zu Deiner finanziellen Situation passt. Du kannst Deine Beiträge auch komplett aussetzen, allerdings bekommst Du dann auch keine staatliche Förderung.
  • Kunden können ihren Vertrag kündigen und den Anbieter wechseln. Allerdings können vom alten Anbieter hierfür Stornogebühren berechnet werden, und der neue Anbieter kann die wieder Abschlussgebühren in Rechnung stellen. Ein Wechsel sollte also wohlüberlegt sein.
  • Kunden zahlen in der Ansparphase keine Steuern, die Auszahlungen werden aber voll besteuert.

Neben den Regeln für die Anbieter gibt es auch Vorgaben für die Kunden von Riester-Produkten. Die wichtigste Vorgabe ist, dass Du das angesparte Riester-Vermögen nur für die Alterssicherung nutzen darfst: Entweder als Rentner in Form lebenslanger Auszahlungen oder für selbst genutztes Wohneigentum (Verwendung des Riester-Vermögens zur Entschuldung). Im Falle einer „schädlichen Verwendung“ (z.B. vorzeitige Vertragsauflösung und Verwendung für eine lange Reise) gehen gezahlte Zulagen und erhaltene Steuervorteile verloren.

Wie genau funktioniert die Förderung?

Die Förderung besteht aus staatlichen Zulagen und Steuervorteilen. Von den Steuervorteilen profitieren insbesondere Besserverdienende.

Seit Anfang 2018 hat die Bundesregierung die Förderung nochmal etwas erhöht. Als Riester-Sparer bekommst Du nun 175 Euro pro Jahr (bislang: 154 Euro) vom Staat, die dieser direkt in Deinen Vertrag einzahlt.

Falls Du Kinder hast, gibt es für jedes Kind weitere Zulagen: Für vor 2008 geborene Kinder 185 Euro jährlich, für jüngere Kinder 300 Euro pro Jahr. Die Zulage gibt es pro Kind nur einmal, die Eltern müssen sich also einigen, ob die Mutter oder der Vater die Zulage bekommt.

Die volle Förderung erhältst Du, wenn Du vier Prozent (maximal 2.100 Euro) Deines rentenversicherungspflichtigen Einkommens aus dem Vorjahr in einen Riester-Vertrag einzahlst. Die Mindesteinzahlung beträgt 60 Euro.

Noch ein Tipp: Bei Vertragsabschluss solltest Du für die Beantragung der Zulagen einen Dauerzulagenantrag stellen. Dies erspart Dir eine jährlich neue Beantragung. Anpassungsbedarf besteht nur, wenn sich Deine Lebensumstände ändern (Familienstand, Kinder).

Welche Vertragstypen gibt es?

Die Auswahl an Riester-Produkten ist groß. Du hast die „Qual der Wahl“ zwischen folgenden Produkten:

  • Banksparplan: Sparvertrag mit einem variablen Zins, der sich am jeweils aktuellen Zinsniveau orientiert. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld bietet dieser eine eher geringe Renditeerwartung, ist aber gleichzeitig mit geringen Kosten verbunden.
  • (Klassische oder fondsgebundene) Rentenversicherung: Bei der klassischen Variante wird die Sparrate konservativ in festverzinsliche Anlagen investiert. Bei der fondgebundenen Variante wird die Sparrate in Investmentfonds angelegt. Diese Produkte sind mit hohen Versicherungskosten (Abschluss- und Verwaltungskosten) und bei fondsgebundener Variante zusätzlich Fondskosten verbunden.
  • Bausparvertrag: Hier hast Du einen Sparvertrag mit einem (niedrigen) festen Guthabenzins und der Option, später ein (zinsgünstiges) Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen. Es fallen eine Abschlussgebühr und Darlehenszinsen / -gebühren an.
  • Baudarlehen: Hierbei handelt es sich um ein Darlehen mit festem Zinssatz, bei dem die Riester-Förderung in die Tilgung des Baudarlehens fließt.
  • Fondssparplan: Hier erfolgt ein regelmäßiger Kauf von Investmentfonds-Anteilen. Die Aufteilung zwischen Renten- und Aktienfonds variiert nach Alter und Börsenlage. Es fallen Fondskosten (Ausgabeaufschläge, laufende Kosten) an.

Welches Produkt für Dich das richtige ist, hängt von Deinen finanziellen Plänen und Deiner Risikoneigung ab. Die besten Renditeaussichten hast Du als junger Riester-Sparer mit Fondssparplänen. Der Fondssparplan ist in der Regel wesentlich günstiger und transparenter als eine fondsgebundene Rentenversicherung, da durch den „Versicherungsmantel“ zusätzliche Kosten neben der eigentlichen Geldanlage entstehen.

Für wen lohnt sich der Abschluss eines Riester-Vertrages?

Grob kann man sagen, dass Gutverdienern vor allem die steuerlichen Vorteile nutzen und Geringverdienern die staatlichen Zulagen.

  • Gutverdiener: Bei Gutverdienern ist der Steuervorteil am größten. Je mehr sie verdienen, desto höher ist ihr persönlicher Einkommensteuersatz, und umso größer ist die Ersparnis. Bis zu 2.100 Euro dürfen abgesetzt werden. Bei einem Einkommen von 55.000 Euro führt dies zu einer Steuererstattung von 490 Euro, bei einem Einkommen von 70.000 Euro werden 574 Euro erstattet. Voraussetzung ist natürlich eine entsprechende Geltendmachung in Deiner Steuererklärung.
  • Geringverdiener: Die fixe Förderung bedeutet eine umso höhere Rendite, je weniger die erforderlichen 4% vom Bruttoeinkommen bedeuten. Insofern profitieren auch Geringverdiener besonders von der Riester-Rente. Wer allerdings im Alter aufgrund geringer Einkünfte absehbar in der sog. Grundsicherung landet, für den lohnt sich „riestern“ eher nicht. Die Riester-Rente wird nämlich auf diese Grundsicherung angerechnet.
  • Familien: Für Familien mit Kindern lohnt sich das „Riestern“ meistens. Eine Mutter mit drei kleinen Kindern, die in Teilzeit arbeitet und 15.000 Euro jährlich verdient, muss nur 60 Euro einzahlen, um drei mal 300 Euro Kinderzulage plus 175 Euro Grundzulage zu erhalten. Gerade bei Geringverdienern mit vielen Kindern kann ein Riester-Vertrag aufgrund der Zulagen die beste private Altersvorsorge sein.

Fazit

DIE Riester-Rente gibt es nicht. Es gibt verschiedene Vertragstypen. Und es gibt gute und schlechte Anbieter / Angebote. Eine Riester-Rente ist ein solider Beitrag zu Deiner Altersvorsorge. Reichtümer durch überdurchschnittliche Renditen wird sie Dir aber nicht bringen. Die gesetzliche Kapitalgarantie führt dazu, dass die langfristig am Aktienmarkt erzielbaren Erträge mit einem Riester-Vertrag nicht erreicht werden.

Mit Fondssparplänen besteht aber immerhin die Chance auf eine höhere Rendite als bei risikoarmen Produkten wie Banksparplänen. Ein Riester-Vertrag lohnt sich insbesondere dann, wenn Du lange lebst, da die Verträge für entsprechend lange Lebens- und damit Auszahlzeiten kalkuliert sind.

Wer seinen Riester-Vertrag vorzeitig kündigt, verliert oft eine Menge Geld, da bei einigen Produkte (insb. Rentenversicherungen) in den ersten Jahren hohe Abschlusskosten anfallen.

Die Kritik an der Riester-Rente hat ihre Berechtigung, da zahlreiche Verträge komplex, intransparent und mit hohen Kosten belastet sind.

Weiterhin gehst Du mit einem Riester-Vertrag eine sehr langfristige Vertragsbindung ein. Bei wechselhaften Erwerbsbiografien, die in der Generation Y ja durchaus vorkommen (inkl. Wechsel zwischen Angestellten-Dasein und Selbständigkeit), kann sich daher eine  Riester-Rente als ungeeignet erweisen.

Die tatsächliche Rendite eines Riester-Vertrages hängt auch mit den einmaligen Abschluss- und den laufenden Verwaltungskosten zusammen. Durch hohe Kosten und Gebühren entsteht teilweise ein signifikanter Renditeverlust. Daher solltest Du vor Abschluss eines Vertrages die Angebote genau vergleichen.

Da die staatliche Rente  nur für die Wenigsten ausreichen wird, ist es wichtig, überhaupt etwas für die private Altersvorsorge zu tun. Ein passendes Riester-Produkt und ein guter Vertrag können in manchen Fällen – vor allem bei (vielen) Kindern aufgrund der Zulagen – einen sinnvollen Baustein zur Altersvorsorge darstellen. Sie wird aber nur einen Teil Deiner Versorgungslücke schließen.

Bildnachweis:  © geralt von pixabay.com

Merke Dir den Beitrag auf Pinterest: Klicke auf das Bild (oder den Social Media Button)

Lohnt sich die Riester-Rente?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.