Buchvorstellung: Das 1×1 der P2P Kredite

Buchvorstellung: Das 1x1 der P2P Kredite

In diesem Artikel möchte ich Euch das gerade neu erschienene Buch Das 1 x 1 der P2P-Kredite – Wie Du richtig in Privatkredite investierst* von Sebastian Wörner und Vincent Willkomm vorstellen.


Wie ich dazu komme, hier über P2P Kredite zu schreiben

Bis vor kurzem hatte ich mit dem Thema P2P Kredite ehrlicherweise nicht allzu viel am Hut. So wirklich aufmerksam geworden bin ich persönlich auf das Thema P2P Kredite als Investment erst, als ich mich im Rahmen meiner Aktivitäten als Finanzblogger mit der Themenvielfalt auf den vielen Blogs innerhalb der „Community“ näher auseinander gesetzt habe. Und bei einigen Blogs steht eben auch das Thema „Investieren in P2P Kredite“ im Fokus.

Auf einem der vermutlich beliebtesten Community-Treffen, dem comdirect Finanzbarcamp 2018, hatte ich die Gelegenheit, an gemeinsamen Workshops mit verschiedenen Blogger-Kollegen teilzunehmen.

Zum einen war dies eine Session von Lars Wrobbel, der den Blog Passives Einkommen mit P2P  betreibt und – gemeinsam mit Kolja Barghoorn vom Blog Aktien mit Kopf – das Buch Investieren in P2P Kredite* geschrieben hat. Auch wenn es in dieser Session nicht um P2P Kredite ging, so hatte ich doch die Gelegenheit, Lars Wrobbel als „P2P Urgestein“ (sein Buch ist immerhin schon in 4. Auflage erschienen) mal persönlich zu erleben.

Und zum anderen besuchte ich eine Session der beiden Buchautoren Sebastian Wörner und Vincent Willkomm. Hier ging es um Crowdinvesting in Immobilien – einen Spezialaspekt aus dem P2P Umfeld.

Mir ging es darum, meinen Horizont rund um die P2P Thematik etwas zu erweitern und meine vorhandene Grundskepsis ggf. zu beseitigen.

Im Nachgang zum Finanzbarcamp und zu den Workshops war dann mein Interesse geweckt, so dass ich das o.g. P2P Buch von Lars und Kolja las. Auch wenn es hier nicht um dieses Buch geht, sei doch erwähnt, dass es mir das Thema P2P Kredite deutlich näher gebracht hat.

Und mein Interesse an dieser Anlageform besteht weiterhin. Ich plane, demnächst auch meine ersten Investments in P2P Kredite zu tätigen.

Insofern kommt das Buch von Sebastian und Vincent für mich genau zum richtigen Zeitpunkt, um mich in einem weiteren Buch über P2P Kredite zu informieren. An meinen Erkenntnissen aus dem Buch möchte ich Euch hier teilhaben lassen.

Was sind überhaupt P2P Kredite?

P2P ist die Abkürzung für „Peer to Peer“. Peer bedeutet soviel wie „ebenbürtig“ oder „gleichrangig“. Im Kontext der Kredite bedeutet das, dass eine Person einer anderen Geld leiht, ohne dass eine Bank zwischengeschaltet wird.

Die Grundidee ist allerdings keineswegs neu. Jeder, der sich von seinen Eltern oder einem Freund Geld leiht, nimmt ja so gesehen einen P2P Kredit in Anspruch. Neu ist hingegen die Form der Abwicklung über P2P Plattformen im Internet, die sich in den letzten Jahren einer immer größeren Beliebtheit erfreuen. Aber dazu später mehr.

Gleich zu Beginn des Buches werden die wichtigsten P2P Begriffe in einem Glossar erläutert. Das ist hilfreich für diejenigen (wie mich), die sich bislang noch nicht zu den fortgeschrittenen P2P Investoren zählen.

Warum gehen die Leute nicht einfach zu einer Bank?

Diese Frage habe mir als eine der ersten gestellt, als ich begann, über P2P Kredite zu lesen.

Schließlich sind die Zinsen für einen klassischen Bankkredit aktuell ja in der Regel deutlich niedriger, als die oft zweistelligen Zinsen auf den P2P Plattformen.

Meine persönliche Erklärung war immer, dass es diesen Leuten dann wohl – aufgrund mangelnder Bonität – nicht möglich sei, bei einer normalen Bank einen Kredit zu erlangen. Diese mangelnde Bonität wäre für mich aber dann ein wichtiger Grund, diesen Leuten mein Geld nicht zu leihen.

Das Buch bietet hier eine für mich schlüssige Erklärung:

Zunächst muss man wissen, dass der Fokus der Autoren des Buches auf P2P Krediten und Plattformen in Osteuropa liegt. Zwar gibt es P2P Kredite überall auf der Welt, und auch in den USA und Asien haben sich mittlerweile große Märkte entwickelt.

Warum also beschäftigen sich die Autoren ausgerechnet mit Plattformen in Osteuropa? Die Antwort lautet schlichtweg: Weil die deutschen Plattformen die Autoren nicht überzeugt haben. Also ging ihr Blick ins europäische Ausland, und hier hat sich insbesondere in Osteuropa mittlerweile eine recht umfassender und weiterhin stark wachsender P2P Markt etabliert, auf dem beide Autoren mittlerweile auch über langjährige Erfahrungen verfügen.

Besonderheiten des Bankenmarktes in Osteuropa

In vielen osteuropäischen Ländern gibt es kein so ausgeprägtes Bankensystem wie in Deutschland. Weiterhin leidet Osteuropa seit der Finanzkrise 2008/2009 unter einer äußerst strengen Bankenregulierung, die eine Kreditvergabe nur unter strengsten Auflagen und Sicherheiten erlaubt.

Für Kreditnehmer wird es also immer schwieriger und bürokratischer, einen Kredit zu erhalten. Und gerade kleinere Verbraucherkredite werden von vielen Banken gar nicht mehr angeboten.

In die sich öffnende Marktlücke sind entsprechende „Nicht-Banken Kreditgeber“ vorgestoßen, bei denen Kreditnehmer über P2P Plattformen nach einer automatischen Bonitätsprüfung kurzfristig eine Zusage geben können.

Und noch einen wichtigen Hinweis geben die Autoren: Zwar kann man in Deutschland zu Niedrigzinsen (manchmal sogar 0% Finanzierung) einen Konsumentenkredit abschließen. Neben diesen günstigen Zinsen für Ratenkredite sind aber auch in Deutschland teilweise horrende Zinsen für einen Dispositionskredit zu zahlen, der von vielen Leuten ganz selbstverständlich in Anspruch genommen wird.

Wenn man es so betrachtet, relativieren sich die hohen P2P Zinssätze auch wieder.

Was macht P2P Kredite attraktiv?

Aus Anlegersicht ist dies mit Sicherheit die Aussicht auf eine zweistellige Rendite pro Jahr. Die Einstiegshürden sind gering, teilweise liegt die Mindestinvestitionssumme bei lediglich einem Euro (auf der Plattform Bondora).

Aus Kreditnehmersicht sind Facetten des P2P Marktes wie Crowdinvesting, Crowdlending und Crowdfunding neue Mechanismen der Geldbeschaffung, die – neben geringerer Regularien – auch aus anderem Grund attraktiver sein können als klassische Finanzierungsformen:

So führen die Autoren das Beispiel des Computerspiels „Star Citizen“ an. Der Erfinder Chris Roberts sammelte rund 200 Mio. USD ein und entschied sich bewusst für eine Finanzierung via Crowdfunding, um von großen Publishern und einzelnen Geldgebern unabhängig zu sein.

Wie kann ich in P2P Kredite investieren?

Vereinfacht dargestellt, läuft ein P2P Investment wie folgt ab:

Ein Kreditnehmer braucht Geld und sucht deshalb einen Kreditgeber. Ein Nicht-Banken-Kreditgeber, der grundsätzlich zur Kreditvergabe bereit ist, prüft die Bonität des Kreditnehmers. Im Falle einer positiven Bonitätsprüfung zahlt der Kreditgeber dem Kreditnehmer den gewünschten Kreditbetrag aus. Die Abwicklung erfolgt über eine P2P-Plattform. Wichtig für das Gesamtverständnis ist, dass das Geld der P2P Investoren an den Kreditgeber geht, nicht an den Kreditnehmer.

Eine besonders wichtige Rolle spielen im Gesamtprozess die P2P Plattformen. Bei einer solchen P2P Plattform handelt es sich zunächst einmal um eine ganz normale Webseite, auf der man sich – ähnlich einer Depoteröffnung – registrieren muss, um investieren zu können.

Eine P2P Plattform bietet verschiedene Dienstleistungen: Die Bereitstellung der technischen Infrastruktur, die Bereitstellung neuer Kredite sowie die Akquise neuer Kreditgeber, das Risikorating der Kredite, die Identitätsprüfung, das Angebot eines Zweitmarkts sowie meist das Bereitstellen eines Autoinvestors.

Ein Autoinvestor ist ein Programm, das voll automatisch nach den Wünschen eines Anlegers das Kapital investiert.

All diese Aspekte werden im Buch entsprechend vertieft, so dass ein gutes Verständnis für den Ablauf des Investitionsprozesses erreicht wird.

Die Top 10 Risiken bei P2P Krediten

Ein aus meiner Sicht gerade für P2P Einsteiger wichtiger Punkt wird im Buch umfassend behandelt: Die Risiken bei P2P Krediten.

Ein Mantra der Finanzbranche lautet: „Je höher die Zinsen, desto höher das Risiko.“ Daher ist es aus Anlegersicht zunächst das wichtigste, die Gier zu zügeln und sich von hohen Zinsen nicht unreflektiert blenden zu lassen.

Folgende Top 10 Risiken wurden von den Autoren identifiziert:

  1. Die hohen Renditen bei P2P Krediten: Vorsicht, die Gier schaltet häufig das Gehirn aus;
  2. Keine regulierte Kreditvergabe: P2P Kredite werdennoch weitgehend unreguliert vergeben, ohne Bankaufsicht oder staatliches Organ;
  3. Keine Banken: P2P-Kredite werden nicht von Banken, sondern von Nicht-Banken Kreditgebern vergeben, für die es keine generelle staatliche Aufsicht gibt;
  4. Die Kreditgeber: Diese Unternehmen erhalten Dein investiertes Geld. Je nach Rechtsform ist nicht nur deren Haftung beschränkt, sondern auch die „Rückkaufgarantie“;
  5. Die P2P Plattformen: Auch diese können pleite gehen;
  6. Die Kreditnehmer: Fallen zu viele Kreditnehmer aus, wird das P2P Investment zum Verlust;
  7. Die Rückkaufgarantie: Ein Kreditgeber kann die Rückkaufgarantie nur bezahlen, solange seine Kalkulation aufgeht. Die Rückkaufgarantie sichert nicht den Ausfall des Kreditgebers ab, sondern nur den Ausfall des Kreditnehmers;
  8. Das Marktrisiko: Die P2P Märkte könnten sich durch wirtschaftliche und politische Ereignisse grundlegend verändern;
  9. Mangelnde Diversifikation
  10. Du selbst: Handle niemals instinktiv und überstürzt, sondern überlegt und mit einem Plan.

Ein gutes Mittel zur Risikobegrenzung ist bei der Geldanlage ganz allgemein die Diversifikation, und gerade dem Autor Vincent liegt dieses Thema besonders am Herzen (wie auch in anderem Kontext schon häufig von ihm zu lesen und zu hören war).

Diversifikation

Die Autoren empfehlen also auch konsequenterweise, ein P2P Investment breit zu streuen (über Länder, Kreditarten, Kreditgeber und – bei größerem Gesamtvolumen – auch über Plattformen).

Für Einsteiger bieten schon einzelne Plattformen die Möglichkeit zu einer umfassenden Diversifikation. Die Plattform Mintos bietet z.B. bereits die Option, über 60 Kreditgeber, 26 Länder, 8 Kreditarten und 12 Währungen zu streuen.

Diversifikationsmöglichkeiten lassen sich im Autoinvestor einstellen und somit automatisiert abbilden.

Als Richtgröße empfehlen Sebastian und Vincent übrigens, maximal 5% bis 15% des Gesamtvermögens in P2P-Kredite zu investieren.

Und noch ein wichtiger Hinweis der Autoren: Auch Streuung macht P2P Kredite nicht zu einer sicheren Geldanlage!

In welche Kreditarten kann ich investieren?

Auf eine der dargestellten Diversifikationsmöglichkeiten möchte ich hier kurz näher eingehen: Auf die unterschiedlichen Kreditarten.

Wer an P2P Kredite denkt, hat oft Verbraucherkredite im Kopf. Mittlerweile nutzen aber auch kleine und mittelständische Unternehmen die Finanzierungsmöglichkeiten aus P2P Krediten.

Folgende unterschiedliche Kreditarten gibt es im P2P Umfeld:

  • Kredite mit kurzer Laufzeit / „Payday Loans“
  • Verbraucherkredite
  • Autokredite
  • Hypothekenkredite / Immobilienkredite
  • Geschäftskredite
  • Rechnungsfinanzierung / Factoring
  • Pfandkredite

Die Autoren kommen zum Fazit, dass Geschäftskredite eine gute Ergänzung zu Verbraucherkrediten darstellen, zumal es bei diesen oft eine „dingliche Absicherung“ gibt. Gleiches gilt für Immobilienkredite, in die beispielsweise auf den Plattformen Mintos und Estateguru investiert werden kann.

Vorstellung ausgewählter Plattformen

Auf Basis ihrer langjährigen P2P Erfahrungen haben die Autoren einige Plattformen ausgewählt, die sie im Buch mit ihren jeweiligen Besonderheiten sowie Vor- und Nachteilen vorstellen:

Da sich offensichtlich viele Einsteiger mit der Frage schwertun, welche Plattform zum Einstieg die beste ist, geben sie im Buch verschiedene Kriterien und Denkanstöße, die bei der Auswahl helfen sollen.

Da sich der P2P Markt schnell verändert, verweisen sie noch auf ihre jeweiligen Blogs Hobbyinvestor und freakyfinance sowie auf Sebastians Plattform-Vergleichsportal Crowdbird. Hier kann sich der Leser immer „up to date“ halten.

Fazit

Das 1×1 der P2P Kredite ist meiner Meinung nach ein verständlich geschriebenes und gut strukturiertes Buch mit umfassenden Informationen rund um das Thema P2P Kredite.

Gefehlt hat mir als Einsteiger eigentlich nichts, im Gegenteil. Für Leute wie mich, die sich in das Thema einlesen möchten, ist das Buch in all seinen Facetten auf über 300 Seiten mehr als ausreichend. Daher gehe ich aber gleichzeitig davon aus, dass das Buch auch für P2P Fortgeschrittene noch einige neue Erkenntnisse und wertvolle Informationen liefert.

Gut finde ich, dass ausreichend auf Risiken eingegangen wird und diese näher beleuchtet werden. Weiterhin enthält das Buch zahlreiche konkrete Anleitungen und die Vorstellung verschiedener Anlagestrategien, die mir bei meinen ersten Investments sicherlich gute Dienste leisten werden.

Spannend finde ich persönlich auch noch die Ausführungen der Autoren, warum sie überhaupt in P2P Kredite investieren und warum sie auf welchen Plattformen unterwegs sind.

Wer also noch mehr über P2P sowie die Autoren und ihre Investments erfahren möchte, dem kann ich das Buch voller Überzeugung zum Kauf empfehlen.

Mir hat es jedenfalls sehr gut gefallen, und ich fühle mich nun für meine ersten P2P Investments gut gerüstet.

Herzlichen Dank dafür an die beiden Autoren!

Bildnachweis: © geralt von pixabay.com

Hier geht’s zum Buch*

Hier kannst Du das Buch bestellen:

Das 1x1 der P2P-Kredite: Wie du richtig in Privatkredite investierst
  • Sebastian Wörner, Vincent Willkomm
  • Herausgeber: Independently published
  • Taschenbuch: 322 Seiten

 

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